VB057 Okkultes

Altes Wissen, geheime Bruderschaften und echte Magier

Von Pythagoras bis Aleister Crowley: Eine kurze Geschichte neuplatonischer Bewegungen. Mit Katharern, Templern, Freimaurern und Rosenkreuzern. Über frühe Gewerkschaften, erfundene Kulte, kopierte Riten und vermeintliche Spione. Wo der Hofastrologe mit dem ohrenlosen Medium Frauen tauscht und der Papst beim Kartenspiel zum Hohepriester wird. Mit Magie, Alchemie und Kabbalah, aber auch mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Fnord!

Dieses Sonderthema ist den treuen Viva-Britannia-Patronen auf Patreon zu verdanken, die das erste Finanzierungsziel durchbrochen haben.

Es geht um Okkultes bzw. Esoterisches. Wir beginnen in der Antike bei Pythagoras und Reinkarnation, Platon und seinem Höhlengleichnis, und schließlich Plotin und dem Neuplatonismus. Bei der gleichzeitig aufkommenden Hermetik spielte der legendäre Hermes Trismegistos eine große Rolle, sowie Magie, Astrologie und Alchemie. In der Kirche gab es höchstens kontemplative Mystik bei den Benediktinern, sonst wurden Bewegungen wie die Katharer eher unterdrückt. Zeitgleich entstanden im Judentum die Kabbalah und im Islam die Sufis.

Der Templerorden war eine Geburt der Kreuzzüge, mit der Temple Church in London als einem wichtigen Hauptquartier (heute wichtig bei der Juristenausbildung, siehe Folge 46), nahe der heutigen U-Bahn-Station Temple. Auch Berlin-Tempelhof geht auf sie zurück. Philip IV. zwang Papst Clemens V. zum Verbot der Templer u.a. unter dem Vorwand der Ketzerei.

Auf das Mittelalter folgte die Renaissance.

John Dee begründete das Trinity College Cambridge und den Begriff des britischen Empires (siehe auch Folge 39), er lehrte über Euklid, war ein Freund von Gerhard Mercator und der Hofastronom und -astrologe von Elizabeth I. Um mit Engeln zu sprechen bediente er sich dem Medium Edward Kelley; dabei “entdeckten” sie auch die henochische Sprache. Unter James I. fiel Dee in Ungnade und wurde u.a. von William Shakespeare (siehe Folge 32) als Zauberer Prospero in “Der Sturm” verewigt.

Die Freimaurer entstanden aus den ehemaligen Steinmetz-Bruderschaften und Dombauhütten (engl. lodge, dt.-franz. Loge), die wie andere Handwerkerzünfte beginnend mit Henry VIII. unterdrückt wurden. Der spirituellen Bruderschaft gehörte u.a. Friedrich der Große an. Auch unter den Unterzeichnern der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung waren viele Freimaurer. Die Freemasons’ Hall und das dazugehörige Museum kann man in der Londoner Great Queen Street besichtigen.

Demgegenüber waren die Rosenkreuzer vor allem eine Erfindung von Johann Valentin Andreae. Dennoch entstand aus der Idee u.a. der Orden der Gold- und Rosenkreuzer, der sich mit den Illuminaten von Adam Weishaupt stritt. Der Freimaurer Robert Wentworth Little gründete später die Societas Rosicruciana in Anglia (S.R.I.A.), deren Mitglieder William Wynn Westcott, William Robert Woodman und Samuel Liddell MacGregor Mathers wiederum den Hermetic Order of the Golden Dawn gründeten.  Zu dessen Mitgliedern gehörten unter anderem Arthur Edward Waite – der zusammen mit Pamela Colman Smith die Tarot-Karten gestaltete, die dann vom Rider-Verlag herausgebracht und u.a. im James-Bond-Film “Live and Let Die” mit Roger Moore verwendet wurden -, Arthur Machen, William Butler Yeats und schließlich Aleister Crowley.

Crowley und seinen Kontakt zu Aiwass verdanken wir das “Liber AL vel Legis” (Buch des Gesetzes) und die Thelema-Bewegung. Er wurde Mitglied des deutschen Ordo Templi Orientis (OTO), kannte den James-Bond-Erfinder und echten Geheimdienstler Ian Fleming, und er beeinflusste Jimmy Page von Led Zeppelin ebenso wie das Cover des Beatles-Albums “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” (zu beiden Bands siehe auch Folge 47). Mehr zu Crowley gibt es u.a. bei Hoaxilla.

1 Kommentar

  1. Pingback: Die letzten und nächsten 24h, Sonntag, 05.04.2015 | die Hörsuppe

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.