VB058 Tee

Das liebste Getränk (nicht nur) der Briten

Tee, Earl Grey, heiß. Wie das bittere Kraut der Chinesen auf die Insel kam und nebenbei für mehrere Kriege sorgte. Von portugiesischen Prinzessinnen, falschen Indianern, amtlichen Drogenschmugglern und amerikanischen Frühstückstees. Wo statt Eulen nach Athen Tee nach Indien gebracht wird, Pyramiden in Tassen landen, Peter Sellers sich zum Affen macht, und man sich immer wieder über Milch streitet. Und dazwischen immer wieder Steuern, Steuern, Steuern.

Zum Thema Tee geht es zunächst grundsätzlich um die Teepflanze (camellia sinensis) selbst, um die frühe Geschichte des Getränks in China und seinen Weg über Portugal auf die Insel im 16. Jahrhundert. Hierbei fallen die Namen von König Charles II., seiner Gattin Katharina von Braganza und unserem alten Bekannten Samuel Pepys (siehe insbesondere Folge 39). Die East India Company (siehe ebenfalls Folge 39) spielt auch wieder eine gewichtige Rolle.

Der älteste “tea room” der Insel ist Twinings of London, 1706 gegründet von Thomas Twining in 216 Strand, London. Heute gehört diese älteste Marke der Insel zu Associated British Foods.

Die 1767 von Charles Townshend unter anderem für Tee eingeführten Sonderabgaben sorgten für Unmut in den britischen Kolonien und führten unter anderem im Massaker von Boston 1770. Es folgten der Tea Act von 1773 unter Premierminister Frederick North, die “Boston Tea Party” mit dem unnachgiebigen Gouverneur Thomas Hutchinson und schließlich der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.

Ein paar Jahrzehnte später kam es wegen Tees auf der anderen Seite der Welt zu den Opiumkriegen und der Entwicklung des Tee-Anbaus in Indien. Dort entdeckte man den Assam-Tee, und am 10. Januar 1839 wurde der erste aus Indien eingeführte Tee in London versteigert. An der Ansiedlung chinesischer Teepflanzen in Darjeeling waren unter anderem der Sanatoriumsleiter Dr. A. Campbell und der Botaniker Robert Fortune beteiligt.

Bei der Verarbeitung von Tee sprechen wir über Koffein, flushs (Blühvorgänge) und tips (Spitzen), womit vor allem die Knospe und die beiden obersten Blätter (two leaves and the bud) gemeint sind. Durch unterschiedliche Beeinflussung der Oxidation – also dem enzymatischen Abbau von Chlorophyll und der Abgabe von Tanninen – entstehen verschiedene Teesorten wie weißer Tee, grüner Tee, Oolong oder Schwarztee. Aromatisiert werden Tees zum Beispiel mit Jasminblüten oder mit Öl aus der Schale der Bergamotte, was den bekannten Earl Grey ergibt, der aber nur der Legende nach etwas mit Premierminister Charles Grey zu tun hat.

Die einzige Tee-Plantage in Großbritannien ist das Tregothnan-Anwesen in Cornwall (siehe auch Folge 41).

Zum Genuss von Tee geht es dann noch um die amerikanische Erfindung des Teebeutels und des “English Breakfast Teas“, um den Ostfriesentee, um “Bauarbeitertee” (builder’s tea; siehe auch das Londoner Regency Café aus Folge 55) und die Verwendung von Milch mit Tee im allgemeinen.

Die bekannteste Tee-Marke der Insel ist PG Tips aus Manchester. Bekannt geworden ist sie unter anderem durch Tetraeder-Teebeutel (pyramid bags), die “Tipps-Familie” mit Schimpansen (inkl. Peter Sellers), die “T-Birds” von den Aardman Animations (die auch “Wallace & Gromit” und “Shaun das Schaf” erfanden), sowie den Komiker Johnny Vegas und “Monkey“.

Für weitere Informationen zur Geschichte indischen Tees sei auf das WDR5-Zeitzeichen vom 10. Januar 2014 von Martina Meissner verwiesen.

VB057 Okkultes

Altes Wissen, geheime Bruderschaften und echte Magier

Von Pythagoras bis Aleister Crowley: Eine kurze Geschichte neuplatonischer Bewegungen. Mit Katharern, Templern, Freimaurern und Rosenkreuzern. Über frühe Gewerkschaften, erfundene Kulte, kopierte Riten und vermeintliche Spione. Wo der Hofastrologe mit dem ohrenlosen Medium Frauen tauscht und der Papst beim Kartenspiel zum Hohepriester wird. Mit Magie, Alchemie und Kabbalah, aber auch mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Fnord!

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Es geht um Okkultes bzw. Esoterisches. Wir beginnen in der Antike bei Pythagoras und Reinkarnation, Platon und seinem Höhlengleichnis, und schließlich Plotin und dem Neuplatonismus. Bei der gleichzeitig aufkommenden Hermetik spielte der legendäre Hermes Trismegistos eine große Rolle, sowie Magie, Astrologie und Alchemie. In der Kirche gab es höchstens kontemplative Mystik bei den Benediktinern, sonst wurden Bewegungen wie die Katharer eher unterdrückt. Zeitgleich entstanden im Judentum die Kabbalah und im Islam die Sufis.

Der Templerorden war eine Geburt der Kreuzzüge, mit der Temple Church in London als einem wichtigen Hauptquartier (heute wichtig bei der Juristenausbildung, siehe Folge 46), nahe der heutigen U-Bahn-Station Temple. Auch Berlin-Tempelhof geht auf sie zurück. Philip IV. zwang Papst Clemens V. zum Verbot der Templer u.a. unter dem Vorwand der Ketzerei.

Auf das Mittelalter folgte die Renaissance.

John Dee begründete das Trinity College Cambridge und den Begriff des britischen Empires (siehe auch Folge 39), er lehrte über Euklid, war ein Freund von Gerhard Mercator und der Hofastronom und -astrologe von Elizabeth I. Um mit Engeln zu sprechen bediente er sich dem Medium Edward Kelley; dabei “entdeckten” sie auch die henochische Sprache. Unter James I. fiel Dee in Ungnade und wurde u.a. von William Shakespeare (siehe Folge 32) als Zauberer Prospero in “Der Sturm” verewigt.

Die Freimaurer entstanden aus den ehemaligen Steinmetz-Bruderschaften und Dombauhütten (engl. lodge, dt.-franz. Loge), die wie andere Handwerkerzünfte beginnend mit Henry VIII. unterdrückt wurden. Der spirituellen Bruderschaft gehörte u.a. Friedrich der Große an. Auch unter den Unterzeichnern der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung waren viele Freimaurer. Die Freemasons’ Hall und das dazugehörige Museum kann man in der Londoner Great Queen Street besichtigen.

Demgegenüber waren die Rosenkreuzer vor allem eine Erfindung von Johann Valentin Andreae. Dennoch entstand aus der Idee u.a. der Orden der Gold- und Rosenkreuzer, der sich mit den Illuminaten von Adam Weishaupt stritt. Der Freimaurer Robert Wentworth Little gründete später die Societas Rosicruciana in Anglia (S.R.I.A.), deren Mitglieder William Wynn Westcott, William Robert Woodman und Samuel Liddell MacGregor Mathers wiederum den Hermetic Order of the Golden Dawn gründeten.  Zu dessen Mitgliedern gehörten unter anderem Arthur Edward Waite – der zusammen mit Pamela Colman Smith die Tarot-Karten gestaltete, die dann vom Rider-Verlag herausgebracht und u.a. im James-Bond-Film “Live and Let Die” mit Roger Moore verwendet wurden -, Arthur Machen, William Butler Yeats und schließlich Aleister Crowley.

Crowley und seinen Kontakt zu Aiwass verdanken wir das “Liber AL vel Legis” (Buch des Gesetzes) und die Thelema-Bewegung. Er wurde Mitglied des deutschen Ordo Templi Orientis (OTO), kannte den James-Bond-Erfinder und echten Geheimdienstler Ian Fleming, und er beeinflusste Jimmy Page von Led Zeppelin ebenso wie das Cover des Beatles-Albums “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” (zu beiden Bands siehe auch Folge 47). Mehr zu Crowley gibt es u.a. bei Hoaxilla.