VB034 BCA v Singh

Wissenschaft vor Gericht

Wie ein Gerichtsverfahren die Wissenschaftsszene und Politik der Insel veränderte. Von Aufklärungskampagnen, Rufschädigung, knochenbrecherischen Lebensenergetikern, fragwürdigen Textinterpretationen, treffenden Serienbriefen und homöopathischen Überdosen. Wo Chiropraktiker, Osteopathen, Anthroposophen und Impfleugner auf Wissenschaftsjournalisten, Verbraucherschützer, Richter und Barbara Streisand treffen.

Simon Singh schrieb die Bücher Fermat’s Last Theorem (Fermats letzter Satz) zum gleichnamigen mathematischen Problem und Mathematiker Andrew Wiles, The Code Book (Geheime Botschaften) zur Kryptographie und Alan Turing (siehe auch Folge 22), Big Bang (Big Bang) zur KosmologieThe Simpsons and Their Mathematical Secrets (Homers Letzter Satz) zur gleichnamigen Fernsehserie, und mit Edzard Ernst Trick or Treatment? (Gesund ohne Pillen. Was kann die Alternativmedizin?).

In Singhs Artikel im Guardian und der anschließenden Klage der British Chiropractic Association (BCA) wegen Verleumdung ging es um falsche Heilsversprechen der Chiropraktik (erfunden von Daniel David Palmer, frei nach der Osteopathie von Andrew Taylor Still) durch die Beseitigung von Subluxationen. Zum Thema Verleumdung fallen die deutschen Begriffe Ehrdelikte, Beleidigung und üble Nachrede und die englischen Begriffe defamation, slander und libel.

Aus dem Umfeld von Skeptics in the Pub stoßen hinzu Anwalt David Allen Greene, Informatiker Simon Perry (FishBarrel), Alan Henness (The Nightingale Collaboration), Psychologie-Professor Chris French, Physik-Professor Brian Cox, Comedian Dave Gorman, Journalist Nick Cohen und Politiker Evan Harris. Der Quacklash betraf unter anderem das General Chiropractic Council (GCC), die Trading Standards Authorities und die Advertising Standards Authority (ASA). Die Greater Manchester Skeptics organisierten gegen Homöopathie bei Boots (siehe auch Folge 28) die Aktion 10:23 und später auch die alljährliche Wissenschafts-Konferenz QED.

Die Libel Reform wurde vorangetrieben durch die enge Interpretation von Singhs Aussagen durch Richter Sir David Eady, die Organisationen Index on Censorship, English PEN und Sense About Science. Sie mündete im Defamation Act 2013.

Zum wissenschaftlich-kritischen Aktivismus in Deutschland erwähne ich den Blogbeitrag von Florian Freistetter, die gescheiterte Homöopathie-Hochschule in Traunstein, die geplante staatlich finanzierte Waldorf-Schule in Hamburg, das Gerichtsverfahren von David Barden gegen Impfleugner Stefan Lanka (siehe auch Hoaxilla 157), den Protest gegen Chlorbleiche-Einläufe zur Behandlung von Kindern mit Autismus und ADHS, den Binnenkonsens (der einzelne alternativmedizinische Verfahren vom Nachweis ihrer Wirksamkeit ausnimmt) und pseudomedizinische Themen als Pflichtinhalte in deutschen Studiengängen.

VB022 Computerpioniere

Von Rechenmaschinen, Codes und Spielefürsten

Was haben die Briten je für uns getan? Geschichten über programmierende Dichtertöchter, geheime Genies und schottische Autodiebe. Von theoretischen Maschinen und echten Computerrivalen. Und warum Sven mit Konrad Zuse buddelte, Sir Alan seinen ersten Rechner verdankt und einem amerikanischen Lord viele vergnügliche Stunden.

Unter anderem erwähnt werden Lord Byron (siehe Folge 20), seine Tochter Ada Lovelace, ihr gemeinsames Grab in Hucknall, der ehemalige Byronsche Landsitz Newstead Abbey bei Nottingham, Charles Babbage, seine difference engine und seine analytical engine. Bei einem kleinen Sprung nach Deutschlang geht es um Konrad Zuse und die Z3, seine letzten Lebensjahre in Hünfeld und unsere gemeinsame Hügelgräber-Suchen in der Rhön.

Zu Alan Turing geht es seine Zeit im britischen Dechiffrierdienst in Bletchley Park (heute in Milton Keynes und Ort des National Museum of Computing), seine Arbeit an der Entschlüsselung der deutschen Enigma und dem Manchester-Computer und den Turing-Award. Als passende Lektüre empfehle ich Cryptonomicon von Neil Stephenson und The Code Book (deutsch: Geheime Botschaften) von Simon Singh.

Bei Heimcomputern erwähne ich den Commodore 64, die ITV-Sendung The Mighty Micro, die BBC-Sendung The Computer Programme, den BBC Micro – hergestellt von Acorn, die auch die ARM-Prozessorarchitektur entwickelten. Dann geht es um den Sinclair ZX 80 und ZX Spectrum von Clive Sinclair, und den CPC464 von Amstrad bzw. Schneider. Ein Exkurs führt uns zu The Apprentice mit Donald Trump bzw. Sir Alan Sugar – in Deutschland Big Boss mit Reiner Calmund.

Tim Berners-Lee gibt mir Gelegenheit, zwischen Internet und TCP/IP und World Wide Web und HTTP zu unterscheiden. Dabei fallen das CERN, das MIT, das World Wide Web Consortium (W3C) und die Olympischen Sommerspiele 2012.

Apropos Spiele: “Lord British” Richard Garriott war für Ultima und Ultima Online verantwortlich, eines der ersten MMORPGs. Den passenden Abschluss bilden Grand Theft Auto und Lemmings von ehemals DMA Design, heute Rockstar North in Edinburgh.