VB054 P. G. Wodehouse

Gentleman der Literatur

Keine Pflaume: Der britischste Autor, den niemand kennt. Hunderte humorvolle Romane, Geschichten und Bühnenstücke über die bessere englische Gesellschaft, geboren aus einer Jugend auf Landsitzen und im Internat. Von Erfolgen am Broadway und im West End, von Langeweile in Hollywood, gerechter Steuerflucht, luxuriöser Kriegsgefangenschaft, naiver Propaganda und jahrzehntelangem Lebensabend. Mit schweinezüchtenden Lords, blauäugigen Tunichtguten und cleveren Kammerdienern.

Es geht um Pelham “Plum” Grenville Wodehouse, vor allem auf Basis der tollen Biographie “P. G. Wodehouse: Gentleman der Literatur” von Martin Breit, dem Bruder von Hörer Sebastian Breit.

Zu seiner Jugend fallen die Stichworte Hongkong, die grüne Fries-Tür, sein Bruder und späterer Theosoph Armine Wodehouse, das Internat Dulwich College, die Grafschaften Surrey und Shropshire und seine Ausbildungsstelle HSBC.

Sein erster Roman war The Pothunters mit Schulgeschichten a la Burg Schreckenstein von Oliver Hassenkamp oder Harry Pottergewidmet drei Cousinen von Elizabeth Bowes-Lyon.

In den USA schrieb Wodehouse für Vanity Fair, heiratete Ethel Wodehouse, schrieb mit Something Fresh den ersten Roman der Blandings-Reihe um Lord Emsworth, die erste Kurzgeschichte um Reginald Jeeves und Bertie Wooster und eroberte dann mit Jerome Kern und Guy Bolton den Broadway in New York, zunächst mit dem Stück Oh Boy! Auch das Lied Bill im Musical Show Boat wurde von Wodehouse mitgeschrieben.

In England verdiente Wodehouse mit Beiträgen zum Magazin The Strand so viel wie Agatha Christie mit einem ganzen Roman. In Hollywood verdiente er noch mehr, aber er langweilte sich. Wegen Doppelbesteuerung ließ er sich schließlich im französischen Le Touquet nieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Wodehouse erst auf der belgischen Zitadelle von Huy interniert und dann im polnischen Lager Tost. Dank eines Artikels in der New York Times landete er bald im Hotel Adlon in Berlin, wo er für das Deutsche Reich fünf Radiosendungen machte, wofür er als Verräter gebrandmarkt wurde. Das Exil verbrachte er bei Anga von Bodenhausen in Degernshausen im Harz und in Paris.

Die BBC verbannte ihn erst, produzierte aber später u.a. den Film Heavy Weather mit Peter O’Toole. ITV verfilmte Jeeves & Wooster mit Hugh Laurie und Stephen Fry. Kurz vor seinem Tod wurde Wodehouse zusammen mit Charlie Chaplin zum Ritter geschlagen.

An früheren Viva-Britannia-Episoden werden erwähnt Folge 9 zum Feiern (wegen Hochzeiten), Folge 27 zu Sherlock Holmes (der zeitgleich im Strand-Magazin erschien), Folge 44 (wegen des Cricket-Teams von James Matthew Barrie), Folge 52 zu Winston Churchill und Folge 53 zur Sprache (wegen der Verwandtschaft von “wode” und “Wut”).

VB029 Altes (mit Miriam & Rupert Williams)

Ein deutsch-britisches Paar zur Liebe der Briten zu Altem, ihre Freundlichkeit und schicke Trunkenheit

Miriam bekommt endlich ihr vorgeschlagenes Thema und Rupert Stress am Valentinstag. Wir sprechen über Wochenenden mit alten Nylonstrümpfen, SS-Uniformen und Spitfires, über Antikläden und Auktions-TV-Shows. Es geht um neue alte Hotels und fehlende Rollläden, und um falsche Haushälterinnen, zuvorkommende Autofahrer, verliebte Kassierer und gar nicht so zurückhaltende Briten in ihren tollkühnen Outfits.

Rupert kommt eigentlich aus dem englischen Lake District, ist aber seit 27 Jahren in Deutschland. Er und seine deutsche Frau Miriam, die ich bereits in früheren Folgen erwähnt habe, leben bei Darmstadt.

Bei unserem Gespräch am Valentinstag streifen wir 1940er-Wochenenden wie in Haworth (Yorkshire) mit Nylonstrümpfen und SS-Uniformen (Prinz Harry lässt grüßen); die 1940s Society; Flugschauen wie die Flying Legends in Duxford mit Messerschmitts, Spitfires und Lancaster-Bombern; Mrs. Hudson im Sherlock Holmes-Museum (siehe Folge 27); die alte Baumasse in Orten wie York, Chester, Cambridge, Canterbury und Lüneburg; die nicht ganz so alte Baumasse in Coventry; Reenactments des englischen Bürgerkriegs und am Checkpoint Charlie; Filmklassiker wie The Dam Busters und Battle of Britain; Antikläden, Auktionshäuser und die TV-Sendungen Kunst & Krempel, Antiques Roadshow und Flog it!“.

Außerdem kommen wir auf diverse Themen früherer Folgen zurück: Den Straßenverkehr, den Hausausbau, das Essen, das Feiern (von fancy dress shops über Junggesellenabschiede bis hin zu Hochzeiten), den Poppy Day und das Einkaufen.

Zum Schluss erwähnte ich natürlich noch die bevorstehende Veröffentlichung des Viva-Britannia-Buches und die Premierenlesung am 1. März 2014 in Hamburg.