VB064 Scotland Yard

Die Metropolitan Police

Von Dorfwachtmeistern zu Inspektor Lestrade: Wie ein zensierter Satiriker, ein blinder Richter und ein sozialökonomisches Experiment die moderne britische Polizei begründeten. Mit Diebesfängern und Kopfgeldjägern, Bobbies und Peelers, Hafengaunern und natürlich Jack the Ripper. Wie eine Straße zu drei Gebäuden und einer landesweiten Institution wurde - nur nicht in der kleinen City neben der größeren City in der großen City.

Es geht um den Metropolitan Police Service, landläufig Scotland Yard genannt. Vor der Gründung der Polizei begünstigte das common law (siehe Folge 46) lokale Lösungen. So gab es in den Gemeinden (parishes) ehrenamtliche Wachtmeister (constables). Daneben gab es Diebesfänger (thief-takers) und Kopfgeldjäger (headhunter).

Satiriker Henry Fielding (und Kollegen wie Jonathan Swift) machten sich unter George I. den Premierminister Robert Walpole (siehe auch Folge 37) zum Feind, was zum Theatrical Licensing Act 1737 führte und Fielding zum Bow Street Magistrate Court. Hier gründete er die Bow Street Runners zum Kampf gegen die Gin-Exzesse, und sein Bruder John Fielding (der Blind Beak of Bow Street) half ihm dabei.

John Harriot und Patrick Colquhoun initiierten die Thames River Police (später Marine Police Force). Gabriel Franks starb dabei als erster britischer Polizist im Dienst, dennoch wurde das Experiment der Hafenpolizei ein Erfolg und schnell in anderen Städten aufgegriffen.

Dank Innenminister und späterem Premierminister Sir Robert Peele wurde dann 1829 die Metropolitan Police gegründet. Peele diente unter William IV. und Victoria (siehe auch Folge 62), gilt als Begründer der modernen konservativen Partei (siehe auch Folge 18), er erlebte die große Hungersnot in Irland (aufgrund der Kartoffelfäule) und stürzte schließlich mit seiner Regierung über die Abschaffung der Korngesetze (corn laws).

Nach Robert (Bob) Peele werden die Polizisten umgangssprachlich bobbies oder peelers genannt. Sie tragen traditionell keine Handfeuerwaffen und unterscheiden sich auch sonst bewusst von Militär und Paramilitär. Sie wird geführt von einem commissioner und hat u.a. die Ränge superintendent, inspector, sergeant und constable. Das Londoner Stadtgebiet ist heute in 21 Bezirke (divisions) aufgeteilt, die traditionell mit Buchstaben bezeichnet sind. Nicht in das Aufgabengebiet der Met fällt jedoch die alte City of London, die von der kleinen City of London Police betreut wird.

Die Zentrale der Met liegt traditionell in der City of WestminsterDas war mal 4 Whitehall Place mit dem Hintereingang an der Straße Great Scotland Yard, dann das Gebäude New Scotland Yard – heute bekannt als die Norman Shaw Buildings – und seit fast 50 Jahren nun das (neue) New Scotland Yard in 10 Broadway. Dort sitzt u.a. auch der Bereich Specialist Crime & Operations (SC&O) für Kapitalverbrechen.

Als typischer Mann von Scotland Yard wird schließlich neben den fiktiven Inspektoren Lestrade (von Sherlock Holmes, siehe Folge 27) und Richard Jury (aus den Romanen von Martha Grimes) noch der sehr reale Frederick Abberline erwähnt, der u.a. die Mordserie in Whitechapel im Jahr 1888 untersuchte, besser bekannt als die Jagd auf Jack the Ripper. Später arbeitete er noch für die Detektei Pinkterton.

VB027 Sherlock Holmes

Der bekannteste Detektiv der Literaturgeschichte

Das Zeichen der Drei: In bester Arbeitsteilung mit Hoaxilla und dem Einschlafen-Podcast geht es um den britischen Meisterdetektiv und seine vielfältigen Inkarnationen. Wie Arthur Doyle seinen Professoren und verlassenen Schiffen Neues andichtete. Warum Holmes seine Kleidung einem Zeichner verdankt und eine Bausparkasse seine Post beantwortete. Von Gastauftritten, Geschlechtsumwandlungen, verheimlichten Drogenproblemen, gefälschten Fotos und verkannten Soziopathen.

Diese Episode ergänzt sich wunderbar mit der aktuellen Folge 145 von Hoaxilla zu Sir Arthur Conan Doyle, wo es mehr Details zum späteren Hang des Sherlock-Holmes-Autors zum Spiritismus und den Fall der Cottingley Fairies geht. Weitere Hintergründe zu seinem (Ex-)Freund Harry Houdini gibt es in der gleichnamigen Hoaxilla-Folge 90.

Wer etwas Sherlock Holmes hören möchte, dem sei Folge 268 vom Einschlafen-Podcast mit Toby Baier empfohlen. Er liest aus der ersten Holmes-Geschiche Eine Studie in Scharlachrot (“A Study in Scarlet”) und spricht das Thema Urheberrecht an.

Zu Arthur Conan Doyle werden erwähnt: Seine Heimat- und Studienstadt Edinburgh, seine Geschichte “J. Habakuk Jepheson’s Statement”, in der er die Geschehnisse um das Schiff Mary Celeste verarbeitet, und die fälschlicherweise erst Robert Louis Stephenson oder Edgar Allan Poe zugeschrieben wurde.

Zu Sherlock Holmes werden erwähnt: Die Publikationen “Beeton’s Christmas Annual” und “The Strand Magazine”, die weiteren Romane “The Sign of Four” (“Das Zeichen der Vier”), “The Hound of the Baskervilles” (“Der Hund von Baskerville”) und “The Valley of Fear” (“Das Tal der Angst”), sowie die Geschichten “The Final Problem” (“Das letzte Problem”) – in der Holmes mit Professor James Moriarty die Reichenbach-Fälle herunterstürzt -, “The Empty House” (“Das leere Haus”) – in der er wieder aufersteht -, und “A Scandal in Bohemia” (“Ein Skandal in Böhmen”) – in der Irene Adler das einzige Mal vorkommt. An weiteren Charakteren streifen wir natürlich Dr. John Watson, Mrs. Hudson, Inspektor Lestrade und Mycroft Holmes.

Als Vorbild für Sherlock Holmes wird wieder einmal Joseph Bell genannt, wie auch William Rutherford als Vorbild für Professor Challenger (“The Lost World”, “Die vergessene Welt”). Sidney Paget wird als Zeichner und “Erfinder” des Outfits mit Inverness-Mantel und Jagdmütze gewürdigt. Im Zusammenhang mit 221B Baker Street geht es um die Bausparkasse Abbey National und das Sherlock Holmes Museum.

An berühmten Inkarnationen von Sherlock Holmes streifen wir Basil Rathbone, wieder einmal Peter Cushing, sowie Jeremy Brett. Ebenso taucht Dr. Gregory House wieder auf. Weiter geht es mit den Filmen von Guy Ritchie mit Robert Downey jr., die BBC-Serie “Sherlock” von Steven Moffatt und Mark Gatiss, mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, und die US-Serie “Elementary” mit Jonny Lee Miller und Lucy Liu.

Im Zusammenhang mit Sherlocks Psyche geht es um Achtsamkeit (mindfulness), Soziopathie und Asperger-Syndrom, sowie das Buch “Mastermind: How to think like Sherlock Holmes” (“Die Kunst des logischen Denkens: Scharfsinnig analysieren und clever kombinieren wie Sherlock Holmes”) von Maria Konnikova.

Britische Krimiautoren nach Doyle waren unter anderem Agatha Christie mit Miss Marple und Hercule Poirot sowie Dorothy Sayers mit Lord Peter Wimsey.

Zum Abschluss geht es um die verquere Situation des Urheberrechts bei Sherlock Holmes, mit dem aktuellen Gerichtsurteil im Fall Lesley Klinger für den US-Markt.