VB079 Brexit

Der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs

Eine erste Bestandsaufnahme einen Monat nach dem historischen Referendum. Mit über 40 Jahren europäischer Hassliebe, vielen Volksabstimmungen und wiederholten Fehlern. Von ungezügeltem Populismus, überraschenden Abtritten und Neuanfängen, und vielen ungeklärten Fragen. Warten wir es ab!

Die Folge zum “EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten Königreich 2016” startet mit der wechselhaften Geschichte zwischen der Insel und der EU. Erwähnt werden zunächst Winston Churchill (siehe auch Folge 52), der Zweite Weltkrieg, der Commonwealth, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) und die französischen Präsidenten Charles de Gaulle und George Pompidou.

Von den Konservativen werden explizit genannt Edward Heath, Margaret Thatcher, John Major (der 1992 den Vertrag von Maastricht unterzeichnete aber gegen die Währungsunion war) sowie natürlich David Cameron (der erst den Schotten ihr Referendum über die Unabhängigkeit vom Königreich 2014 ermöglichte und dann das jetzige nationale Referendum zum Brexit).

Von Labour werden explizit genannt Jeremy Corbyn (erst als jahrzehntelanger Abgeordneter, dann als Parteivorsitzender), Harold Wilson (der das EWG-Mitgliedschaftsreferendum in Vereinigten Königreich 1975 initiierte), Tony Blair, Gordon Brown (der UK endgültig aus der Währungsunion heraushielt aber 2007 den Vertrag von Lissabon unterzeichnete, der erstmals auch Artikel 50 des EU-Vertrags einführte) und Ed Milliband.

Erwähnt werden auch die UK Independence Party (UKIP) mit Nigel Farage, die Europawahlen, bei denen UKIP Erfolge erzielte, und die Liberaldemokraten, die nach der Unterhauswahl 2010 mit den Konservativen eine Koalition eingingen und bei der Unterhauswahl 2015 abgestraft wurden (siehe auch Folge 60).

Zum eigentlichen Brexit-Wahlkampf geht es dann auch um die Leave– und die Remain-Seite, Boris Johnson, Michael Gove, die Scottish National Party (SNP) sowie tragischerweise Jo Cox, die ehemalige Abgeordnete des Wahlkreises Batley and Spen. Populistische Themen des Wahlkampfs waren unter anderem Immigration und vermeintliches Geld für das Gesundheitssystem (den NHS; siehe auch Folge 31).

Zu den Folgen des Referendums werden erwähnt Theresa May, Andrea Leadsom, David Davis, Handelsabkommen, die Freizügigkeit in der EU, die Grenze zwischen Irland und Nordirland (siehe auch Folge 67), Gibraltar, die Niederlande, Frankreich und natürlich auch England (siehe auch Folge 76) und Wales (siehe auch Folge 30).

Zum Schluss empfehle ich WRINT 565 mit einem Gespräch zwischen Holger Klein und dem Staats- und EU-Rechtler Tobias Kliem. Und ich zitiere Ben Goldacre.

VB058 Tee

Das liebste Getränk (nicht nur) der Briten

Tee, Earl Grey, heiß. Wie das bittere Kraut der Chinesen auf die Insel kam und nebenbei für mehrere Kriege sorgte. Von portugiesischen Prinzessinnen, falschen Indianern, amtlichen Drogenschmugglern und amerikanischen Frühstückstees. Wo statt Eulen nach Athen Tee nach Indien gebracht wird, Pyramiden in Tassen landen, Peter Sellers sich zum Affen macht, und man sich immer wieder über Milch streitet. Und dazwischen immer wieder Steuern, Steuern, Steuern.

Zum Thema Tee geht es zunächst grundsätzlich um die Teepflanze (camellia sinensis) selbst, um die frühe Geschichte des Getränks in China und seinen Weg über Portugal auf die Insel im 16. Jahrhundert. Hierbei fallen die Namen von König Charles II., seiner Gattin Katharina von Braganza und unserem alten Bekannten Samuel Pepys (siehe insbesondere Folge 39). Die East India Company (siehe ebenfalls Folge 39) spielt auch wieder eine gewichtige Rolle.

Der älteste “tea room” der Insel ist Twinings of London, 1706 gegründet von Thomas Twining in 216 Strand, London. Heute gehört diese älteste Marke der Insel zu Associated British Foods.

Die 1767 von Charles Townshend unter anderem für Tee eingeführten Sonderabgaben sorgten für Unmut in den britischen Kolonien und führten unter anderem im Massaker von Boston 1770. Es folgten der Tea Act von 1773 unter Premierminister Frederick North, die “Boston Tea Party” mit dem unnachgiebigen Gouverneur Thomas Hutchinson und schließlich der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.

Ein paar Jahrzehnte später kam es wegen Tees auf der anderen Seite der Welt zu den Opiumkriegen und der Entwicklung des Tee-Anbaus in Indien. Dort entdeckte man den Assam-Tee, und am 10. Januar 1839 wurde der erste aus Indien eingeführte Tee in London versteigert. An der Ansiedlung chinesischer Teepflanzen in Darjeeling waren unter anderem der Sanatoriumsleiter Dr. A. Campbell und der Botaniker Robert Fortune beteiligt.

Bei der Verarbeitung von Tee sprechen wir über Koffein, flushs (Blühvorgänge) und tips (Spitzen), womit vor allem die Knospe und die beiden obersten Blätter (two leaves and the bud) gemeint sind. Durch unterschiedliche Beeinflussung der Oxidation – also dem enzymatischen Abbau von Chlorophyll und der Abgabe von Tanninen – entstehen verschiedene Teesorten wie weißer Tee, grüner Tee, Oolong oder Schwarztee. Aromatisiert werden Tees zum Beispiel mit Jasminblüten oder mit Öl aus der Schale der Bergamotte, was den bekannten Earl Grey ergibt, der aber nur der Legende nach etwas mit Premierminister Charles Grey zu tun hat.

Die einzige Tee-Plantage in Großbritannien ist das Tregothnan-Anwesen in Cornwall (siehe auch Folge 41).

Zum Genuss von Tee geht es dann noch um die amerikanische Erfindung des Teebeutels und des “English Breakfast Teas“, um den Ostfriesentee, um “Bauarbeitertee” (builder’s tea; siehe auch das Londoner Regency Café aus Folge 55) und die Verwendung von Milch mit Tee im allgemeinen.

Die bekannteste Tee-Marke der Insel ist PG Tips aus Manchester. Bekannt geworden ist sie unter anderem durch Tetraeder-Teebeutel (pyramid bags), die “Tipps-Familie” mit Schimpansen (inkl. Peter Sellers), die “T-Birds” von den Aardman Animations (die auch “Wallace & Gromit” und “Shaun das Schaf” erfanden), sowie den Komiker Johnny Vegas und “Monkey“.

Für weitere Informationen zur Geschichte indischen Tees sei auf das WDR5-Zeitzeichen vom 10. Januar 2014 von Martina Meissner verwiesen.

VB039 Zur See

Von Freibeutern, der Royal Navy und der East India Company

Die britische Herrschaft über die Weltmeere in Militär und Handel. Von Flugzeugträgern ohne Flugzeuge, königlichen Piraten, vergrabenen und versenkten Schätzen und der Rückkehr eines Pub-Liebhabers. Wo es Spanier nach Schottland verschlägt, Munitionsverpackungen Handelsriesen stürzen, und Meuterer noch nach Jahrhunderten die Sonne nicht über dem Empire untergehen lassen. Ganz ohne Seemannsgarn!

Zum Thema der britischen Marine – der Royal Navy – werden u.a. erwähnt die neuen Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth und HMS Prince of Wales, die Marinewerft Rosyth, Elisabeth II.Heinrich VIII., Elisabeth I., Samuel Pepys (dem wir schon bei Pubs über den Weg gelaufen waren), der Kampf gegen Skorbut (der den Briten den Spitznamen limeys einbrachte und den Deutschen den Spitznamen krauts), die Schlacht von Trafalgar, der Lord High Admiral, der First Sea Lord, den Marinestützpunkt Devonport in Plymouth und das National Maritime Museum in Greenwich, London.

Im Zusammenhang mit Sir Francis Drake geht es um Piraterie (und Freibeuterei), die erste Weltumsegelung eines Engländers und sein Kampf gegen die Spanische Armada von Philip II. an der Seite von Lord Howard of Effingham.

Abseits des offiziellen Militärs streifen wir die Geschichte der britischen East India Company (inklusive den Opiumkriegen und dem indischen Aufstand von 1857) und der niederländischen VOC (aus deren Kolonien später Indonesien hervorging).

Den Abschluss bildet die Analyse von xkcd-Autor Randall Munroe, dass die Sonne bis heute nicht über dem britischen Reich untergeht – dank der Nachkommen der Meuterer von der HMS Bounty auf Pitcairn.