VB069 James Bond & Co.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Über echte und fiktive Spione: Von Königin Elisabeths “spymaster” über die Gründung der britischen Geheimdienste bis hin zum bekanntesten britischen Agenten. Mit Kürzeln, Chiffren und Komplotten, einmaligen Einsätzen, Doppelagenten und dreifachen Romanverfilmungen. Was goldene Augen mit Spanien und Jamaika zu tun haben, wie nah James Bond der Wirklichkeit von Ian Fleming kommt, und warum Bloody Mary wichtiger ist als Martini.

Eine ganze Folge über britische Geheimdienste.

Angefangen wird mit Francis Walsingham, dem obersten Sekretär und spymaster von Elisabeth I. Im Zusammenhang mit seinem Leben und Wirken werden erwähnt Heinrich VIII., Mary I. von England (Bloody Mary), Mary I. von Schottland (Maria Stuart, vgl. auch das gleichnamige Drama von Friedrich Schiller), das Privy Council, die Hugenotten und das Massaker in der Bartholomäusnacht, aber auch die Suche nach der Nordwestpassage durch Martin Frobisher, die Reisen von Sir Francis Drake und der Kampf gegen die Spanische Armada (vgl. Folge 39).

Nach diversen militärischen Geheimdiensten wurde mit dem Secret Service Bureau 1909 der erste behördliche Geheimdienst der Insel begründet; Gründe hierfür waren die Erfahrungen der Briten im Burenkrieg und die Angst vor deutschen Spionen. Aus dem Secret Service Bureau entstanden der Inlandsgeheimdienst MI5 (Security Service) und der Auslandsgeheimdienst MI6 (Secret Intelligence Service). Sie sind in Deutschland vergleichbar mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Bundesnachrichtendienst (BND); daneben gibt es auf Bundesebene noch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) bei der Bundeswehr.

Erster Leiter des MI5 war Vernon Kell. Dank Winston Churchill (vgl. Folge 52) wurde er bald von der Metropolitan Police (vgl. Folge 64) unterstützt und konnte sich auf Home Office Warrants (HOWs) stützen. Ab dem Zweiten Weltkrieg wurde zunehmend mit Doppelagenten gearbeitet. Die heutige Arbeit des MI5 wird in der TV-Serie Spooks fiktionalisiert.

Erster Leiter des MI6 war George Mansfield Smith-Cumming. Nach seinem Kürzel heißen noch heute alle MI6-Leiter intern “C”. Hieraus machte Ian Fleming bei James Bond “M” alias Miles Messervy bzw. Olivia Mansfield (im Fall von Judi Dench). Cumming positionierte Agenten in britischen Botschaften im Ausland, um diplomatische Immunität zu gewährleisten. Eine Spezialeinheit des MI6 ging im Zweiten Weltkrieg in der Special Operations Executive (SOE) auf. Außerdem bestanden Verbindungen zum ULTRA-Programm der Codebrecher in Bletchley Park (vgl. Folge 22). Im Kalten Krieg lieferten sich die Geheimdienste vor allem einen Wettlauf mit dem Warschauer Pakt. Doppelagenten wie die Cambridge Five um Kim Philby (vgl. Folge 66) wurden u.a. von John le Carré in seinem George-Smiley-Roman Tinker, Taylor, Soldier, Spy verewigt; das Buch wurde sowohl mit Alec Guiness als auch Gary Oldman verfilmt. Die aktuelle Zentrale des MI6 steht am Vauxhall Cross in London.

Ian Fleming, der Schöpfer von James Bond, besuchte unter anderem die Eliteschule Eton und die Militärakademie Sandhurst und arbeitete für den Nachrichtendienst Reuters. Dann wurde er überraschend Assistent von John Godfrey, dem Direktor des Naval Intelligence Department (NID). Hier entwarf er die Pläne für den späteren US-Geheimdienst CIA, war für die Operation Goldeneye verantwortlich und gründete die 30 Assault Unit (später T-Force). Flemings Kriegszeit ist in der Serie Fleming: The Man Who Would be Bond dargestellt, mit Dominic Cooper (aka Howard Stark bei Marvel) in der Hauptrolle. Nach dem Krieg arbeitete Fleming für die Sunday Times, zeitweise von seinem Anwesen auf Jamaika. Neben vielen Liebschaften heiratete er 1952 Ann Charteris. Im gleichen Jahr schrieb er den ersten Bond-Roman Casino Royale. Richtig erfolgreich wurde er, als sich John F. Kennedy als Fan von From Russia with Love outete. Neben zwei Sachbüchern schrieb er auch noch ein einziges Kinderbuch, Chitty-Chitty-Bang-BangHeute ist unter anderem ein internationaler Flughafen auf Jamaika nach ihm benannt.

Neben ihm selbst ist Flemings Bruder Peter Fleming mit ein Vorbild für den Geheimagenten. Den Namen übernahm Fleming von einem bekannten Vogelkundler, der Bösewicht Auric Goldfinger ist nach dem Architekten Ernő Goldfinger benannt, und Scaramanga war der Name eines Jungen aus Flemings Schulzeit in Eton.

Die Filmrechte an James Bond kauften Harry Saltzman und Albert Broccoli, die eigens die Firma Eon Productions gründeten. 1952 kam der erste Bond-Film Dr. No heraus, mit Sean Connery in der Hauptrolle. Als Darsteller folgten George Lazenby (nur in On Her Majesty’s Secret Service), Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig (zuletzt in Skyfall und demnächst in Spectre). Casino Royale wurde insgesamt drei Mal verfilmt: 1954 als US-Fernsehfilm mit Barry Nelson, 1967 als Parodie mit David Niven und schließlich 2006 offiziell mit Daniel Craig. Durch einen Rechtestreit wurde Thunderball zwei Mal mit Sean Connery verfilmt: Offiziell 1965 und als Remake 1983 von Kevin McClory unter dem Titel Never Say Never Again.

VB054 P. G. Wodehouse

Gentleman der Literatur

Keine Pflaume: Der britischste Autor, den niemand kennt. Hunderte humorvolle Romane, Geschichten und Bühnenstücke über die bessere englische Gesellschaft, geboren aus einer Jugend auf Landsitzen und im Internat. Von Erfolgen am Broadway und im West End, von Langeweile in Hollywood, gerechter Steuerflucht, luxuriöser Kriegsgefangenschaft, naiver Propaganda und jahrzehntelangem Lebensabend. Mit schweinezüchtenden Lords, blauäugigen Tunichtguten und cleveren Kammerdienern.

Es geht um Pelham “Plum” Grenville Wodehouse, vor allem auf Basis der tollen Biographie “P. G. Wodehouse: Gentleman der Literatur” von Martin Breit, dem Bruder von Hörer Sebastian Breit.

Zu seiner Jugend fallen die Stichworte Hongkong, die grüne Fries-Tür, sein Bruder und späterer Theosoph Armine Wodehouse, das Internat Dulwich College, die Grafschaften Surrey und Shropshire und seine Ausbildungsstelle HSBC.

Sein erster Roman war The Pothunters mit Schulgeschichten a la Burg Schreckenstein von Oliver Hassenkamp oder Harry Pottergewidmet drei Cousinen von Elizabeth Bowes-Lyon.

In den USA schrieb Wodehouse für Vanity Fair, heiratete Ethel Wodehouse, schrieb mit Something Fresh den ersten Roman der Blandings-Reihe um Lord Emsworth, die erste Kurzgeschichte um Reginald Jeeves und Bertie Wooster und eroberte dann mit Jerome Kern und Guy Bolton den Broadway in New York, zunächst mit dem Stück Oh Boy! Auch das Lied Bill im Musical Show Boat wurde von Wodehouse mitgeschrieben.

In England verdiente Wodehouse mit Beiträgen zum Magazin The Strand so viel wie Agatha Christie mit einem ganzen Roman. In Hollywood verdiente er noch mehr, aber er langweilte sich. Wegen Doppelbesteuerung ließ er sich schließlich im französischen Le Touquet nieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Wodehouse erst auf der belgischen Zitadelle von Huy interniert und dann im polnischen Lager Tost. Dank eines Artikels in der New York Times landete er bald im Hotel Adlon in Berlin, wo er für das Deutsche Reich fünf Radiosendungen machte, wofür er als Verräter gebrandmarkt wurde. Das Exil verbrachte er bei Anga von Bodenhausen in Degernshausen im Harz und in Paris.

Die BBC verbannte ihn erst, produzierte aber später u.a. den Film Heavy Weather mit Peter O’Toole. ITV verfilmte Jeeves & Wooster mit Hugh Laurie und Stephen Fry. Kurz vor seinem Tod wurde Wodehouse zusammen mit Charlie Chaplin zum Ritter geschlagen.

An früheren Viva-Britannia-Episoden werden erwähnt Folge 9 zum Feiern (wegen Hochzeiten), Folge 27 zu Sherlock Holmes (der zeitgleich im Strand-Magazin erschien), Folge 44 (wegen des Cricket-Teams von James Matthew Barrie), Folge 52 zu Winston Churchill und Folge 53 zur Sprache (wegen der Verwandtschaft von “wode” und “Wut”).