VB071 Einbürgerung (mit Lars Klawitter)

Der Weg zum britischen Pass

Wie man als Deutscher (zusätzlich) britischer Staatsbürger wird: Lars erzählt als Versuchskaninchen seiner Familie von zehn Monaten mit Anträgen, Führungszeugnissen, Sprach- und Landeskundetests. Wo fünf Jahre eigentlich sechs sind, man vor dem Sheriff die Wahl des Treueschwures hat, der Pass immer noch einen Schritt weiter entfernt ist, die Gebühren immer weiter steigen und das Postamt beim Ausfüllen von Formularen hilft.

Lars Klawitter lebt seit neun Jahren auf der Insel und hat in den vergangenen zehn Monaten als erster seiner Familie das Verfahren zur Einbürgerung im Vereinigten Königreich – also der Erlangung der British citizenship – durchlaufen. Wir sprechen über deutsche und britische Staatsbürgerschaft, die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft für EU-Bürger, und die Gründe, warum man so etwas vielleicht möchte.

Für den Antrag beim Innenministerium (Home Office) muss man seit mindestens einem Jahr ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht (indefinite leave to remain) auf der Insel nachweisen – was EU-Bürger mit britischem Wohnsitz (legal residence) nach fünf Jahren haben aber nicht automatisch verbrieft bekommen – und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Außerdem gilt es, einen Sprachtest zu machen (mit einem Ergebnis von mindestens “B1” gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen) sowie einen Landeskundetest zu bestehen. Auf letzteren kann man sich mit dem Buch Life in the UK oder der entsprechenden Smartphone-App vorbereiten. Der amerikanische Autor Bill Bryson beschreibt seine Erlebnisse mit dem britischen Landeskundetest in Kapitel 3 seines Buches The Road to Little Dribbling.

Hat das alles geklappt, wird man zur Einbürgerungsfeier (citizenship ceremony) bei der Gemeinde (Council)eingeladen, bei der es gilt, einen Oath bzw. eine Affirmation of Alliance gegenüber dem Monarchen abzugeben sowie eine Citizenship Pledge, die Gesetze und Werte des Vereinigten Königreichs einzuhalten. Das ganze endet mit dem Singen der Nationalhymne.

Die Beantragung des begehrten britischen Reisepasses ist auch dank des fehlenden Meldewesens (siehe Folge 6) ein separater Prozess, ebenso wie die Änderung im Wählerregister, damit man fortan auch in Parlamentswahlen (general elections; siehe Folge 60) mit abstimmen kann.

Die offizielle amtliche Beschreibung der Einbürgerung findet sich hier. Der Prozess ist nicht billig, und die Gebühren dafür steigen auch noch.

VB068 Elisabeth II.

Die Rekord-Monarchin

Für immer Lilibet: Das am längsten regierende britische Staatsoberhaupt, Pfadfinderin, Automechanikerin, Corgi-Liebhaberin und Bond-Girl in einer Person. Mit diversen Namensverwirrungen, einem dänisch-griechischen Prinzen deutscher Herkunft, australischer Begeisterung und Essener Haute couture - aber ohne britischen Pass.

Nun, wo sie Königin Victorias Rekord als längste amtierende Monarchin Großbritanniens eingestellt hat, endlich eine ganze Sendung über Königin Elisabeth II. (beziehungsweise Elizabeth II.), wenn auch mit einigen Rückbezügen auf v.a. Folge 14.

Ihr Großvater George V. benannte im Ersten Weltkrieg den Familienzweig von Sachsen-Coburg und Gotha in Windsor um, nach Windsor Castle. Sein Sohn Edward VIII. verzichtete auf den Thron, um die Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten. Daraufhin fiel die Krone zum Zweiten Weltkrieg an Elisabeths Vater George VI. – und das alles sieht man im Film The King’s Speech mit Colin Firth. Helene Bonham Carter spielt hier Queen Mum Elisabeth (Elizabeth Bowes-Lyon), und die beiden Prinzessinnen Elisabeth und Margaret kommen auch kurz vor.

Die Prinzessinnen wuchsen im Buckingham Palace auf, und für sie wurde dort eine Pfadfinderinnengruppe ins Leben gerufen. Mit 14 Jahren hielt Elisabeth ihre erste Radioansprache im Kinderprogramm der BBC, und mit 17 Jahren trat sie in den Auxiliary Territorial Service (ATS) ein, wo sie Automechanikerin wurde. Hierauf spielt auch eine Szene im Film The Queen an (siehe unten).

Im November 1947 heiratete Elisabeth Prinz Philip von Griechenland und Dänemark, der zuvor auf diese Titel verzichtete, zum Duke of Edinburgh gemacht wurde, und sich fortan nach seiner Mutter Mountbatten nannte. Er stammt aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, aus dem Christian IX. als Nachfolger von Frederick VII. zum König von Dänemark berufen wurde, und dessen Sohn Georg I. zum König der Griechen gewählt wurde. Wie die Windsors benannte sich die Familie von Philips Mutter im Ersten Weltkrieg von Battenberg in Mountbatten um (siehe auch Folge 49 zum Battenbergkuchen). Somit heißt die königliche Familie heute offiziell Mountbatten-Windsor.

Bald kamen Prinz Charles (1948), Prinzessin Anne (1950) und später Prinz Andrew (1960) und Prinz Edward (1964) zur Welt. Als George VI. am 6. Februar 1952 starb, wurde Elisabeth als Elisabeth II. Königin. Ihre Krönung fand erst im Juni 1953 statt. Zum Problem der Monarchen-Nummerierung hatte ich schon in Folge 66 etwas gesagt. Hier schritt Premierminister Winston Churchill (siehe Folge 52) ebenso ein wie beim Familiennamen des Königshauses, gemeinsam mit Elisabeths Großmutter Mary (Maria von Teck).

Erwähnt werden hierbei auch das Namenskürzel der Königin und die Tatsache, dass sie keinen Reisepass besitzt.

Elisabeth erlebte den Wandel des British Empire zum Commonwealth of Nations, den Falkland-Krieg, die Regierung von Margaret Thatcher, den Nordirland-Konflikt und seine Beendigung (siehe Folge 67), sowie die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. Zu den Premierministern, die unter Elisabeth II. regierten, gehören auch noch Tony Blair, John Major und David Cameron.

Privat werden noch einmal erwähnt die Traumhochzeit von Prinz Charles und Lady Diana Spencer, das “furchtbare Jahr” 1992 mit den scheiternden Ehen von Elisabeths Kindern und der Tod Dianas 1997, dessen Auswirkungen auf das Königshaus in The Queen von Stephen Frears  mit Helen Mirren in der Hauptrolle verfilmt wurden. Zu dem nachfolgenden Theaterstück The Audience gab es 2015 eine aktualisierte Neuauflage in London, nun mit Kristin Scott Thomas in der Hauptrolle, und mit Bezug auf die diesjährigen Parlamentswahlen (siehe Folge 60).

Abschließend werden noch erwähnt: Die Olympischen Spiele 1976 in Montreal und 2012 in London, bei denen Elisabeth sogar einen Gastauftritt mit James Bond alias Daniel Craig hatte; die aktuellen königlichen Corgis Holly und Willow und Dorgis Candy und Vulcan; und die pastelligen Kleider, unter anderem geschneidert von Karl-Ludwig Rehse aus Essen.

Die Folge schließt noch einmal mit der Bitte, Hörerfragen oder -themen für die Patreon-Sonderfolge doch an mail@vivabritannia.de zu schicken oder über Twitter und Facebook zu übermitteln.

VB045 Reiseplanung

Das Wichtigste für Insel-Touristen

Auf vielfachen Wunsch eine praktische Reiseführer-Folge: Im Schnelldurchgang durch Anreise, Einreise, Rumgereise, Unterkunft, Verpflegung und Notfälle. Warum es keine perfekte Reisezeit gibt, das eigene Auto nicht wirklich sinnvoll ist, und man immer Tee machen und Sandwiches essen kann. Von Adaptersteckern, B&Bs und Congestion Charges. Wo Trinkwasser, Internet und Museen kostenlos sind, aber die Unterkunft die Welt kosten kann.

Zum Thema Reiseplanung werden viele Themen aus früheren Folgen kurz wieder aufgegriffen, zum Beispiel zu den grundlegenden Insel-Begrifflichkeiten (VB000), der Einreise (VB006), der britischen Elektrik (VB002 und VB044), dem Gesundheitssystem (VB031), dem Autofahren (VB001), dem Essen (VB008), Pubs (VB005), was man wo kaufen kann (VB028) und natürlich dem Wetter (VB017).

Unter den neu erwähnten Themen sind der Eurostar, Quarantänebestimmungen für Tiere, Park- und Halteverbotskennzeichnungen, die Londoner Straßengebühr (congestion charge), das Bewertungssystem für Unterkünfte sowie die standardmäßigen tea and coffee making facilities (TCMF) in selbigen.

An Informationsportalen weden empfohlen visitbritain.com und Tripadvisor.