VB078 Isambard Kingdom Brunel

Pionier des Ingenieurwesens

Der Mann, der das viktorianische Zeitalter in Bewegung brachte, nach Westen und Osten: Mit Tunneln, Brücken, Zügen, Schiffen und vielen Rekorden. Wie Blöcke und ein Schiffswurm den Vater bekannt machten, warum breiter manchmal zu breit ist, aber größer manchmal ökonomischer. Was Swindon groß machte, William Turner malte und Florence Nightingale beeindruckte.

Der Mann steht auf Platz 2 bei 100 Greatest Britons: Isambard Kingdom Brunel. Nur hinter Winston Churchill (siehe Folge 52) und vor Prinzessin Diana (siehe u.a. Folgen 14, 68 und 72), Charles Darwin, William Shakespeare (siehe Folge 32), Isaac Newton, Elisabeth I., John Lennon, Horatio Nelson und Oliver Cromwell.

Zu seinem Vater Marc Isambard Brunel werden erwähnt die Normandie, die Stadt Rouen, seine Freundin und spätere Frau Sophia Kingdom, die Französische Revolution, New York, das Kapitol in Washington (letztlich entworfen von William Thornton),  Blöcke, Jeremy Benthams Bruder Samuel Bentham, die Royal Navy und der Militärhafen Portsmouth (siehe Folge 39), das Schuldgefängnis und Zar Alexander I.

Im Zusammenhang mit dem Themse-Tunnel von Rotherhithe nach Wapping kommt die Sprache auf den russischen Fluss Newa, Schiffsbohrwürmer, den von Brunel entwickelten Schildvortrieb, Prinz Albert (siehe Folge 62), die East London Railyway Company, die London Underground, die London Overground und das Brunel-Museum.

Zu Isambard Kingdom Brunel geht es zunächst um seine Ausbildung in Caen, am Lycée Henri IV und beim Uhrmacher Abraham Louis Breguet; dessen Marke gehört heute zum Swatch-Konzern. Dann geht es um die Clifton-Hängebrücke von Bristol über den Fluss Avon und die Eisenbahnbrücke bei Maidenhead, später verewigt von William Turner (siehe Folge 65) im Gemälde Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway, zu sehen in der National Gallery.

Bei der Great Western Railway kommen zur Sprache Bristols Konkurrenz-Überseehafen Liverpool, die Bahnhöfe Paddington und Temple Meads, die Spurweite von Eisenbahnen (besonders die Breitspur von Brunel gegen die Normalspur von George Stephenson), der Box-Tunnel zwischen Bath und Chippenham, und die Eisenbahnstadt Swindon.

Zur Dampfschiffahrt fallen die Great Western Steamship Company, das Schiff Great Western, das Blaue Band, das Schiff Great Britain und das Schiff Great Eastern, das schließlich beim ersten transatlantischen Telefonkabel zum Einsatz kam.

Das modulare Renkioi-Krankenhaus entstand im Krim-Krieg und auf Bitten von Florence Nightingale (siehe Folge 62). Nach dem gleichen Grundprinzip ist unter anderem das Bristol Royal Infirmary aufgebaut.

Nach Isambard Kingdom Brunel ist auch die Brunel University benannt, deren Studenten  wohl maßgeblich zum Erfolg des Herren in der eingangs erwähnten Umfrage eingebracht haben.

VB076 England

Das größte Land Großbritanniens

Nicht die Insel und nicht der Staat: Das Wichtigste zum Land der Angeln. Von quasi-afrikanischen Fußspuren, norddeutschen Invasoren und französischen Grafen. Wo ein Brummie-Lehrer seine Marke hinterlässt, der grüne König über Kneipen herrscht und ein einziger See eine ganze Seenlandschaft ausmacht. Mit Eiscreme, Käse, Schokolade und vielen Verweisen auf andere Folgen.

Diesmal dreht sich alles um das Land England und nicht um die Insel Großbritannien oder den Staat des Vereinigten Königreichs. Wir setzen damit die Reihe zu den vier Nationen des Königreichs fort, nach Wales (Folge 30) und Nordirland (Folge 67); Schottland wird später nachgereicht.

Geographisch werden die Nordsee und der Ärmelkanal erwähnt, der Golfstrom sowie Scafell Pike im Lake District als der höchste Berg Englands.

In Happisburgh in Norfolk wurden die ältesten menschlichen Fußspuren außerhalb Afrikas entdeckt. In der Steinzeit errichtete die Glockenbecherkultur Steindenkmäler (henges) wie die von Stonehenge und Avebury. Danach kamen die Kelten und schließlich die Römer, von denen u.a. noch der Hadrianswall (als Verteidigung gegen die Pikten) und die Badeanlagen in Bath zeugen. Nach den Römern fielen die Angeln, Sachsen und Jüten auf der Insel ein, und 927 gab es mit Æthelstan den ersten gesamtenglischen König.

Eduard der Bekenner (siehe Folge 72) machte noch statt Winchester London zum englischen Regierungssitz, dann begann mit Wilhelm dem Eroberer das Zeitalter der Normannen auf der Insel. Die ersetzten unter anderem die angelsächsischen Earls durch die neuen Counts (Grafen), die fortan über Counties (Grafschaften) herrschten – vor allem über die 39 traditionellen. Die Namen der Grafschaften gehen meist auf die Angelsachsen zurück (z.B. bei Essex, Wessex, Sussex, Middlesex, Norfolk und Suffolk, Kent und Cornwall), besonders hinsichtlich der häufigen Endung -shire (wie bei Bedfordshire, Lancashire, Shropshire und Yorkshire; siehe auch Folge 46 zum shire reeve bzw. Sheriff). Inzwischen wurden die traditionellen Grafschaften politisch durch administrative counties, ceremonial counties, county boroughs, metropolitan und non-metropolitan counties sowie unitary authorities abgelöst.

Die Normannen hatten auch erheblichen Einfluss auf die englische Sprache (siehe Folge 53), Wirtschaft, Politik (Stichwort Magna Carta) und politische Expansion u.a. nach Wales (siehe Folge 30) und Irland (siehe Folge 67). Die Pest und die Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster (siehe auch Folge 13 zu Richard III.) machten der Bevölkerung zu schaffen, dann kamen die Tudors an die Macht. Heinrich VIII. schuf die anglikanische Kirche, und unter Elisabeth I. wurde England zur Seemacht (siehe Folge 39). Es folgten der Englische Bürgerkrieg, das Große Feuer von London und schließlich die Bildung des Königreichs Großbritannien gemeinsam mit Schottland.

Die Royal Society (siehe Folge 7) und die schottische Aufklärung beförderten die Industrielle Revolution und die Entwicklung von Industriestädten wie Manchester (siehe Folge 59) und Birmingham. Napoleon wurde dank Lord Nelson und dem Duke of Wellington von der Insel ferngehalten. Unter Königin Victoria (siehe Folge 62) erreichte das Britische Weltreich seinen Höhepunkt, bevor es unter den beiden Weltkriegen litt, und die alte Kolonialmacht schließlich dem Commonwealth of Nations Platz machte. Auch im Königreich sind die einzelnen Nationen wieder stärker geworden (siehe Folgen 18 und 60 zur Politik). Wirtschaftlich kennt man heute noch Autos (mit Marken wie Land Rover, Jaguar und Bentley) und Flugzeugmotoren (wie die von Rolls-Royce) als englische Exportschlager.

Nachdem London (Folge 48) und Manchester (Folge 59) schon Thema waren, geht es diesmal um Birmingham in den West Midlands, östlich vom Black Country. Hierher kommen u.a. der Smethwick-Motor – eine alte Dampfmaschine von James Watt -, die Lloyds Bank, die Briefmarke von Rowland Hill und das Zelluloid von Alexander Parkes. Besuchen kann man hier u.a. das Birmingham Science Museum, das Juweliersviertel, das gewaltige Einkaufszentrum Bullring und den Freizeitpark Cadbury World des Schokoladenherstellers Cadbury (der zum Konzern Mondelēz International gehört) in Bournville.

An weiteren netten Gegenden in England werden erwähnt die Grafschaft Cornwall (siehe Folge 41); die Grafschaft Devon mit den Nationalparks Dartmoor und Exmoor, der Hafenstadt Plymouth (siehe Folge 39), der Hauptstadt Exeter und dem nach ihr benannten Erdzeitalter; der Ort Cheddar mit dem gleichnamigen Käse und der Gough’s Cave (siehe Folge 70); der Ort Bath mit seinen römischen Badeanlagen; die Cotswolds als area of outstanding natural beauty zwischen Bath und Stratford-upon-Avon (siehe Folge 32 zu William Shakespeare) mit ihrem Kalkstein aus dem Jura; die Grafschaften Norfolk und Suffolk u.a. mit der königlichen Residenz Sandringham House (siehe Folge 72), den Firmensitzen des Senfherstellers Colman’s und des Brauerei- und Pubgiganten Greene King (vgl. Folge 75) sowie dem Gewässergebiet Broads; der Lake District in Cumbria u.a. mit dem Bassenthwaite Lake, dem Windermere, den 214 von Alfred Wainwright beschriebenen fells, dem Guide to the Lakes von William Wordsworth, den Werken von Percy Shelley, Walter Scott, John Keats, Alfred Tennyson und Beatrix Potter; sowie schließlich die Grafschaft Yorkshire mit York, Sheffield, den Yorkshire Dales, Teilen des Peak Districts, dem Yorkshire Pudding, dem Yorkshire Terrier und den Geschwistern Brontë. Aber für Details zu Yorkshire muss noch einmal eine eigene Folge herhalten.

VB065 Malerei

Vom Mittelalter bis zu den Romantikern

Mehr als nur William Turner: Höhepunkte der britischen Malerei bis 1850. Von Bilderstürmern, Krankenhauskunst und Pferdeporträts. Wo des Königs liebster Maler nicht Hofmaler wird, englische Adelige auf große Kultour gehen und die Franzosen den Wert eines Heuwagens erkennen. Wie der Urvater der Comics das Urheberrecht verbesserte und was Hannibal Lecter mit den Doors verbindet.

Eine Sendung über die Malerei im Vereinigten Königreich. Von religiösen Werken aus dem Mittelalter ist nach dem Bildersturm der protestantischen Reformation nicht mehr viel erhalten, nur vereinzelt Buchmalerei wie in der Winchester Bible oder Tafelbilder wie das Westminster Retable. Danach beherrschten zunächst Maler vom Kontinent die Szene, wie Hans Holbein der Jüngere als Hofmaler von Heinrich VIII. oder Peter Paul Rubens, der von Kunstsammler Charles I. (enthauptet 1649 nach dem Englischen Bürgerkrieg) als erster Maler zum Ritter geschlagen wurde. Die jungen reichen Briten gingen als Teil ihrer kulturellen Ausbildung lange Zeit auf die grand tour durch Europa.

Im Barock malte James Thornhill einen Speisesaal des von Königin Mary II. initiierten und Christopher Wren entworfenen Greenwich Hospital (siehe Folge 51) aus, der seitdem nur als Painted Hall bekannt ist. Daneben war er an der Innenausstattung der St. Pauls Cathedral und diverser Privatresidenzen beteiligt.

William Hogarth war Thornhills Schüler und Schwiegersohn. Er ist für satirische Kupferstiche bekannt wie seine modern moral subjectsdie Marriage a-la-mode oder Beer Street und Gin Lane, die vermutlich im Auftrag von Henry Fielding (siehe Folge 64) entstanden sind. Als Pionier der westlichen “sequentiellen Kunst” gilt Hogarth als einer der Väter des Comics. Außerdem ist er für das zweite Urheberrechtsgesetz der Geschichte verantwortlich, den Engraver’s Copyright Act 1734, der das Statute of Anne  1709 von Büchern auch auf Kupferstiche ausweitet.

Der Porträtist Thomas Gainsborough arbeitete vor allem im Städtchen Bath. Sein bekanntestes Bild ist The Blue Boy (Der Knabe in Blau), das Johnathan Buttall in einem blauen Kostüm des 17. Jahrhunderts zeigt, so wie Gainsboroughs großes Vorbild Anthonis van Dyck 100 Jahre zuvor einen Jungen in Rot gemalt hatte. Das Gemälde ist heute im Nachlass von Henry E. Huntington bei Los Angeles zu besichtigen. Später porträtierte Gainsborough auch George III. und dessen Gattin Charlotte, zum Hofmaler wurde er aber nicht ernannt.

Die Ehre der Ernennung zum Hofmaler ging an Gainsboroughs Rivalen Joshua Reynolds. Beide waren frühe Mitglieder der Royal Society of Arts und Begründer der Royal Academy of Arts. Reynolds wurde für die Übertragung des grand style aus der Historienmalerei in die Porträtmalerei bekannt.

George Stubbs war der Sohn eines Gerbers und interessierte sich für Malerei und Anatomie gleichermaßen. 1766 veröffentlichte er The Anatomy of the HorseNebenbei malte er zahlreiche Tierporträts, vor allem von Pferden, aber auch die erste Darstellung eines Kängurus und eines Dingos.

Der bedeutendste deutsche Maler der Romantik war Caspar David Friedrich. Bei den britischen Landschaftsmalern war dies zum einen John Constable, der vor allem Landschaften in Sussex und Essex verewigte und sich sehr für Meteorologie interessierte. Sein bekanntestes Werk ist The Hay Wain (Der Heukarren), der dank Théodore Géricault beim Pariser Salon ausgestellt wurde, worüber Constable in Frankreich deutlich bekannter wurde als in England. Er beeinflusste auch Auguste Delacroix, die Schule von Barbizon und die späteren Impressionisten. Heute hängt “Der Heukarren” in der National Gallery und die dazugehörige Ölskizze im Victoria and Albert Museum (siehe Folge 62). Laut BBC-Umfrage von 2005 ist es das zweitbeliebteste Gemälde der Insel.

Das beliebteste Gemälde der Insel laut der gleichen Umfrage ist The Fighting Temeraire (Die letzte Fahrt der Temeraire) von Joseph Mallord William Turner. Es zeigt die aus der Schlacht von Trafalgar bekannte HMS Temeraire auf der letzten Fahrt vor dem Abwracken. Es ist Turners spätes Lieblingsgemälde. Sein erstes ausgestelltes Ölgemälde war Fishermen at Sea (Fischer auf See). Privat lebte Turner die letzten 18 Jahre seines Lebens bei seiner Geliebten Sophia Booth. Nach seinem Tod wurde er in der St. Pauls Cathedral direkt neben Joshua Reynolds beigesetzt. Alle seine unverkauften Werke vermachte er dem britischen Volk. Die größte Sammlung von Turner gibt es in der Tate Gallery. Die Temeraire hängt wie Constables “Heukarren” in der National Gallery. Um den älteren William Turner geht es auch in dem Film Mr. Turner von Mike Leigh von 2014, mit Timothy Spall in der Hauptrolle.

Der letzte Romantiker dieser Folge ist der Mystiker William Blake. Seine dichterischen und malerischen Visionen stießen bei Okkultisten wie Aleister Crowley (siehe Folge 57) auf Interesse, besonders aber auch in der Gegenkultur der 1950er und 1960er. Anleihen findet man z.B. bei Bob Dylan, Allen Ginsberg, Van Morrison, U2 und Tangerine Dream. Aldous Huxley benannte das Buch The Doors of Perception (1954) über seine Drogenerfahrungen mit Meskalin nach einem Zitat von Blake, und von da übernahm Jim Morrison den Namen wiederum für seine Band The DoorsDas Blake-Gemälde The Great Red Dragon and the Woman Clothed In Sun (Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau) zur Offenbarung des Johannes spielt eine tragende Rolle im Hannibal-Lecter-Roman “Roter Drache” von Thomas Harris und damit auch in zwei Filmen und der aktuellen dritten Staffel der Fernsehserie Hannibal.

Um britische Maler nach 1850 – wie die Präraffaeliten, Francis Bacon, David Hockney und Damien Hirst – wird es in einer späteren Folge  gehen.