VB070 Gruseliges 2

Tote, Gräber, Kannibalen

Pünktlich zu Halloween allerlei Geschichten rund um britische Leichen. Von echten und vermeintlichen Kannibalen, Pyramiden in London, Gasexplosionen in Krypten, Särgen mit Sprengsätzen und entführten Philosophenköpfen. Wo die Bahn unter Gräbern entlang, an Gräbern vorbei und direkt zu Gräbern führt. Mit dem Besten der Glorreichen Sieben.

Zu Halloween (siehe Folge 20) geht es rund um britische Leichen.

In der Gough’s Cave in der Cheddar Gorge hat man nicht nur den Cheddar Man gefunden, sondern auch angenagte Menschenknochen sowie Schädelgefäße, die darauf hindeuten, dass die jungsteinzeitlichen Briten Kannibalen waren.

Ein Serienmörder aber nur dem Namen nach ein Kannibale ist hingegen Robert Maudsley alias Hannibal the Cannibal. Der saß erst in Broadmoor Hospital ein und ist nun seit über 30 Jahren in Wakefield Prison in einer Plexiglaszelle in Isolationshaft. Die diente als Vorbild von Hannibal Lecters Zelle im Film Das Schweigen der Lämmerwährend man Maudsley zu Unrecht den Spitznamen von Thomas Harris‘ fiktivem Kannibalen gab.

Auf nach London. Dort musste für das Bahnprojekt Crossrail nicht nur das Musiktheater London Astoria weichen, sondern es werden nahe der Liverpool Street Station auch 3.000 Skelette aus dem Bedlam Graveyard ausgegraben – dem Friedhof des Bethlam Royal Hospital (alias Bedlam) für psychisch Kranke.

Wie Catharine Arnold in Necropolis: London and its Dead schildert, kamen Massengräber von Pest-Toten auch dem Bau der Piccadilly Line in die Quere, so dass diese nun zwischen South Kensington und Knightsbridge eine Kurve fährt. Eindrucksvoll beschreibt sie die unhaltbaren Zustände im London des 18. Jahrhunderts, was die Entsorgung der Toten anging.

Thomas Willson wollte dem Mangel an Grabstätten 1829 mit einer gewaltigen Begräbnispyramide auf Primrose Hill abhelfen, aber dazu kam es nicht. Stattdessen ermöglichte das Parlament 1832 die Errichtung der Magnificent Seven (der Glorreichen Sieben) – aufwändigen privat geführten Friedhöfen in damaligen Londoner Vororten. Auf Highgate Cemetery liegen unter anderem Michael Faraday, Karl Marx (siehe Folge 59), Douglas Adams (siehe Folge 42) und der ehemalige russische Geheimagent Alexander Litwinenko. Auf Kensal Green Cemetery findet man Charles Babbage (siehe Folge 22), Freddy Mercury (siehe Folge 47) und der Militärarzt James Barry, der sich nach seinem Tod als Frau herausstellte.

1852 wurde mit dem Brookwood Cemetery die London Necropolis in Woking außerhalb der Stadt errichtet, samt der London Necropolis Railway, mit einem eigenen Bahnhof erst bei Waterloo Station und dann bei Westminster Bridge Road. Auf diesem Friedhof ruht unter anderem Robert Knox, der schottische Doktor, für den Burke und Hare unterwegs waren (siehe Folge 44). Gegen solche body snatchers wurden unter anderem mortsafes zum Schutz von Gräbern eingesetzt.

Einäscherungen waren erst ab 1885 legal. Beim Golders Green Crematorium befinden sich die Überreste von Enid Blyton, Doris Lessing und Bram Stoker (siehe Folge 20), Marc Bolan und Keith Moon (siehe Folge 47), Sigmund und Anna Freud, Peter Sellers und Ernő Goldfinger (siehe Folge 69).

Die Überreste des Philosophen Jeremy Bentham – genauer gesagt seine Auto-Ikone – findet man im University College London. Seinen Kopf kann man aber nicht mehr besichtigen; der wurde weggeschlossen, nachdem ihn 1975 Studenten vom King’s College London mal wieder gestohlen hatten…

VB023 Bits & Bobs 2

Was zu den bisherigen Folgen noch zu sagen ist

Hier wird fleißig ergänzt und gelegentlich korrigiert. Wer die rote Linie zum Freistaat überschreitet, dem winkt ein Kessel Buntes zu Pudding und Whisky, Titeln und Abkürzungen, Gipfelstürmern und Fadenwürmern, tödlichem Nebel und gekochten Mumien. Hail Eris!

Ergänzt und korrigiert wurde jeweils zu den Themen der folgenden Episoden… 

VB008 Essen: Pudding, The History of English.

VB010 Lernen & Arbeiten: Open University, M.A., PhD, CPsychol, FBPsS, AcSS, Umziehen (VB02 Wohnen) und Pendeln zur Arbeit (VB01 Autofahren).

VB012 Sport: Die Three Peaks Challenge mit den Gipfeln Ben Nevis, Snowdon und Scafell Pike, der West Highland Way von Milngavie an Loch Lomond vorbei nach Fort William, die britischen Profi- und Tour-de-France-Radfahrer Bradley Wiggins, Chris Froome und Mark Cavendish.

VB013 Richard III.: Fadenwürmer. Was sonst?

VB014 Das Königshaus: Prinz George of Cambridge, der Erzbischof von Canterbury,  Königin Victoria und Lady Diana, Princess of Wales.

VB015 Whisky: Islay, Rosebank, deutscher und japanischer Whisky.

VB016 Fernsehen: Derren Brown, Mentalist, Channel 4, Mind Control, Trick of the Mind, Trick or Treat und Taxidermie. Downton Abbey, ITV, Das Haus am Eaton Place und Dame Maggie Smith aka Minerva McGonnagal von Harry Potter.

VB017 Wetter: Londoner Nebel, The Great Smog (1952).

VB018 Politik: Freistaat und Republik, die “rote Linie” im Parlament, und die entsprechende Folge von Tiemanns Wortgeflecht mit Christoph Tiemann auf WDR 5.

VB019 Lustiges: Monty Python. Was sonst?

VB020 Gruseliges: Tutanchamun, Einbalsamierung, spontane Selbstentzündung, Lord Carnarvon, Howard Carter, Highclere Castle in Hampshire (Website).

VB021 Doctor Who: Schallschrauber (sonic screwdriver), TARDIS, Polizei-Zelle, BBC.

VB022 Computerpioniere: 5.25″-Disketten, Sir Alan vs. Lord Sugar.

VB023 Bits & Bobs 2: 23, Diskordianismus und Rekursion.

VB020 Gruseliges

Britischer Horror von Shakespeare bis 28 Days Later

Things that go bump in the night: Geister, Vampire, Zombies, Serienmörder und Seemonster. Die Insel hat sie alle. Warum die Rübe bei Halloween auf der Strecke blieb. Wo selbst Feuer und Curry eine gruselige Geschichte haben. Wie uns ein Vulkanausbruch Frankenstein bescherte. Von einer amerikanischen Mumie mit slawischem Namen und englischen Wurzeln. Und von zwei Freunden, die sich immer wieder gegenseitig umbrachten.

Die Folge beginnt mit den Themen Halloween, Allerheiligen und Allerseelen. Erwähnt werden Papst Gregor IV., das irische Fest Samhain, bon(e)fire und Seelenküchlein (soul cakes). Wir kommen zurück auf Robert Burns (Folge 3) und die Bonfire Night bzw. Guy Fawkes Night (Folge 11).

Zum Thema Geister werden erwähnt Shakespeare, Hamlet, Macbeth, Spiritismus, Medien, Seancen, Charles Dickens, A Christmas Carol, Oscar Wilde, The Canterville GhostGeisterjäger, und das Ghosthunting-Buch von Sebastian Bartoschek und Alexa Waschkau.

Im “Jahr ohne Sommer” 1816 trafen sich u.a. Lord Byron, Percy Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori am Genfer See. Wollstonecraft schrieb hier Frankenstein, und Polidori bekam die Idee für The Vampyre, nach Byrons Fragment of a Novel. Das war deutlich vor Bram Stoker mit Dracula.

Hammer Film Productions waren u.a. verantwortlich für The Curse of Frankenstein (1957), Horror of Dracula (1958) und The Hound of Baskervilles (1959), alle mit Peter Cushing und Christopher Lee. Boris Karloff war das Monster in Frankenstein bereits 1931, und The Mummy 1932. Hierzu werden erwähnt die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch Howard Carter und Lord Carnarvon, der Fluch des Pharao, und die Geschichte The Ring of Thoth von Sir Arthur Conan Doyle.

Als weitere britische Horror-Klassiker werden erwähnt The Day of the Triffids (u.a. 1962) nach dem Buch von John Wyndham, The Wicker Man (1973) mit Christopher Lee – nicht zu verwechseln mit dem unsäglichen Remake von 2006 von und mit Nicholas Cage -, The Rocky Horror Show (1973) und die Verfilmung The Rocky Horror Picture Show (1975) von Richard O’Brian und mit Tim Curry, Hellraiser (1987) von Clive Barker, 28 Days Later (2002) von Danny Boyle, und Shaun of the Dead (2004) von und mit Simon Pegg.

Als Ausklang kommen vor Dr. Jekyll and Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson (siehe auch Folge 3), Jack the Ripper – u.a. verewigt als Graphic Novel From Hell von Alan Moore und verfilmt mit Jonny Depp -, und Nessie, das Seemonster von Loch Ness.

Zum Schluss danke ich noch Melanie Ryan vom Britblog und empfehle ihr E-Book Unter Briten.