VB078 Isambard Kingdom Brunel

Pionier des Ingenieurwesens

Der Mann, der das viktorianische Zeitalter in Bewegung brachte, nach Westen und Osten: Mit Tunneln, Brücken, Zügen, Schiffen und vielen Rekorden. Wie Blöcke und ein Schiffswurm den Vater bekannt machten, warum breiter manchmal zu breit ist, aber größer manchmal ökonomischer. Was Swindon groß machte, William Turner malte und Florence Nightingale beeindruckte.

Der Mann steht auf Platz 2 bei 100 Greatest Britons: Isambard Kingdom Brunel. Nur hinter Winston Churchill (siehe Folge 52) und vor Prinzessin Diana (siehe u.a. Folgen 14, 68 und 72), Charles Darwin, William Shakespeare (siehe Folge 32), Isaac Newton, Elisabeth I., John Lennon, Horatio Nelson und Oliver Cromwell.

Zu seinem Vater Marc Isambard Brunel werden erwähnt die Normandie, die Stadt Rouen, seine Freundin und spätere Frau Sophia Kingdom, die Französische Revolution, New York, das Kapitol in Washington (letztlich entworfen von William Thornton),  Blöcke, Jeremy Benthams Bruder Samuel Bentham, die Royal Navy und der Militärhafen Portsmouth (siehe Folge 39), das Schuldgefängnis und Zar Alexander I.

Im Zusammenhang mit dem Themse-Tunnel von Rotherhithe nach Wapping kommt die Sprache auf den russischen Fluss Newa, Schiffsbohrwürmer, den von Brunel entwickelten Schildvortrieb, Prinz Albert (siehe Folge 62), die East London Railyway Company, die London Underground, die London Overground und das Brunel-Museum.

Zu Isambard Kingdom Brunel geht es zunächst um seine Ausbildung in Caen, am Lycée Henri IV und beim Uhrmacher Abraham Louis Breguet; dessen Marke gehört heute zum Swatch-Konzern. Dann geht es um die Clifton-Hängebrücke von Bristol über den Fluss Avon und die Eisenbahnbrücke bei Maidenhead, später verewigt von William Turner (siehe Folge 65) im Gemälde Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway, zu sehen in der National Gallery.

Bei der Great Western Railway kommen zur Sprache Bristols Konkurrenz-Überseehafen Liverpool, die Bahnhöfe Paddington und Temple Meads, die Spurweite von Eisenbahnen (besonders die Breitspur von Brunel gegen die Normalspur von George Stephenson), der Box-Tunnel zwischen Bath und Chippenham, und die Eisenbahnstadt Swindon.

Zur Dampfschiffahrt fallen die Great Western Steamship Company, das Schiff Great Western, das Blaue Band, das Schiff Great Britain und das Schiff Great Eastern, das schließlich beim ersten transatlantischen Telefonkabel zum Einsatz kam.

Das modulare Renkioi-Krankenhaus entstand im Krim-Krieg und auf Bitten von Florence Nightingale (siehe Folge 62). Nach dem gleichen Grundprinzip ist unter anderem das Bristol Royal Infirmary aufgebaut.

Nach Isambard Kingdom Brunel ist auch die Brunel University benannt, deren Studenten  wohl maßgeblich zum Erfolg des Herren in der eingangs erwähnten Umfrage eingebracht haben.

VB068 Elisabeth II.

Die Rekord-Monarchin

Für immer Lilibet: Das am längsten regierende britische Staatsoberhaupt, Pfadfinderin, Automechanikerin, Corgi-Liebhaberin und Bond-Girl in einer Person. Mit diversen Namensverwirrungen, einem dänisch-griechischen Prinzen deutscher Herkunft, australischer Begeisterung und Essener Haute couture - aber ohne britischen Pass.

Nun, wo sie Königin Victorias Rekord als längste amtierende Monarchin Großbritanniens eingestellt hat, endlich eine ganze Sendung über Königin Elisabeth II. (beziehungsweise Elizabeth II.), wenn auch mit einigen Rückbezügen auf v.a. Folge 14.

Ihr Großvater George V. benannte im Ersten Weltkrieg den Familienzweig von Sachsen-Coburg und Gotha in Windsor um, nach Windsor Castle. Sein Sohn Edward VIII. verzichtete auf den Thron, um die Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten. Daraufhin fiel die Krone zum Zweiten Weltkrieg an Elisabeths Vater George VI. – und das alles sieht man im Film The King’s Speech mit Colin Firth. Helene Bonham Carter spielt hier Queen Mum Elisabeth (Elizabeth Bowes-Lyon), und die beiden Prinzessinnen Elisabeth und Margaret kommen auch kurz vor.

Die Prinzessinnen wuchsen im Buckingham Palace auf, und für sie wurde dort eine Pfadfinderinnengruppe ins Leben gerufen. Mit 14 Jahren hielt Elisabeth ihre erste Radioansprache im Kinderprogramm der BBC, und mit 17 Jahren trat sie in den Auxiliary Territorial Service (ATS) ein, wo sie Automechanikerin wurde. Hierauf spielt auch eine Szene im Film The Queen an (siehe unten).

Im November 1947 heiratete Elisabeth Prinz Philip von Griechenland und Dänemark, der zuvor auf diese Titel verzichtete, zum Duke of Edinburgh gemacht wurde, und sich fortan nach seiner Mutter Mountbatten nannte. Er stammt aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, aus dem Christian IX. als Nachfolger von Frederick VII. zum König von Dänemark berufen wurde, und dessen Sohn Georg I. zum König der Griechen gewählt wurde. Wie die Windsors benannte sich die Familie von Philips Mutter im Ersten Weltkrieg von Battenberg in Mountbatten um (siehe auch Folge 49 zum Battenbergkuchen). Somit heißt die königliche Familie heute offiziell Mountbatten-Windsor.

Bald kamen Prinz Charles (1948), Prinzessin Anne (1950) und später Prinz Andrew (1960) und Prinz Edward (1964) zur Welt. Als George VI. am 6. Februar 1952 starb, wurde Elisabeth als Elisabeth II. Königin. Ihre Krönung fand erst im Juni 1953 statt. Zum Problem der Monarchen-Nummerierung hatte ich schon in Folge 66 etwas gesagt. Hier schritt Premierminister Winston Churchill (siehe Folge 52) ebenso ein wie beim Familiennamen des Königshauses, gemeinsam mit Elisabeths Großmutter Mary (Maria von Teck).

Erwähnt werden hierbei auch das Namenskürzel der Königin und die Tatsache, dass sie keinen Reisepass besitzt.

Elisabeth erlebte den Wandel des British Empire zum Commonwealth of Nations, den Falkland-Krieg, die Regierung von Margaret Thatcher, den Nordirland-Konflikt und seine Beendigung (siehe Folge 67), sowie die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. Zu den Premierministern, die unter Elisabeth II. regierten, gehören auch noch Tony Blair, John Major und David Cameron.

Privat werden noch einmal erwähnt die Traumhochzeit von Prinz Charles und Lady Diana Spencer, das “furchtbare Jahr” 1992 mit den scheiternden Ehen von Elisabeths Kindern und der Tod Dianas 1997, dessen Auswirkungen auf das Königshaus in The Queen von Stephen Frears  mit Helen Mirren in der Hauptrolle verfilmt wurden. Zu dem nachfolgenden Theaterstück The Audience gab es 2015 eine aktualisierte Neuauflage in London, nun mit Kristin Scott Thomas in der Hauptrolle, und mit Bezug auf die diesjährigen Parlamentswahlen (siehe Folge 60).

Abschließend werden noch erwähnt: Die Olympischen Spiele 1976 in Montreal und 2012 in London, bei denen Elisabeth sogar einen Gastauftritt mit James Bond alias Daniel Craig hatte; die aktuellen königlichen Corgis Holly und Willow und Dorgis Candy und Vulcan; und die pastelligen Kleider, unter anderem geschneidert von Karl-Ludwig Rehse aus Essen.

Die Folge schließt noch einmal mit der Bitte, Hörerfragen oder -themen für die Patreon-Sonderfolge doch an mail@vivabritannia.de zu schicken oder über Twitter und Facebook zu übermitteln.

VB066 Bits & Bobs 6

Was zu den bisherigen Folgen noch zu sagen ist

Hier wird fleißig ergänzt und gelegentlich korrigiert. Mit einer weiteren britischen Nationalsportart, spionierenden Aposteln, randalierenden Politikern und einem treuen schottischen Diener. Wo Quecksilber und Liverpool falsch liegen, Teebeutel noch Pyramiden sein dürfen und Sherlock Holmes bis heute bei Scotland Yard auftaucht. Wie britische Regenten Liedtexte bestimmen, Zählweisen durcheinander bringen und einfach britisch sind. Inklusive Filmtipps.

Ergänzt und korrigiert wir hier jeweils zu den Themen der folgenden Episoden…

VB012 Sport: Darts, Jim Garside, Brian Gamlin, British Darts Organisation (BDO), Professional Darts Corporation (PDC), Weltmeister John Part (Kanada), Tony David (Australien), Raymond van Barneveld (Niederlande) und Phil Taylor (England) – genannt The Power, nach dem Lied von Snap!.

VB051 Zeit: Der Nullmeridian in Greenwich leidet unter Lotabweichung! Hier die Studie im Journal of Geodesy: DOI 10.1007/s00190-015-0844-y.

VB057 Okkultes & VB061 Studieren: Geheimgesellschaften an Universitäten, Cambridge Apostles, George Tomlinson, Alfred Tennyson, Bertrand Russell, James Clerk Maxwell, John Maynard Keynes, Ludwig Wittgenstein, Bloomsbury Group, Spionagering The Cambridge Five, Guy Burgess, Donald MacLean, Kim Philby, Anthony Blunt Bullingdon Club in OxfordDavid Cameron, George Osborne, Boris Johnson, Film The Riot Club nach dem Theaterstück Posh.

VB058 Tee: Teebeutel von PG Tips sind doch mathematische Pyramiden!

VB059 Manchester: Liverpool liegt doch im Westen!

VB062 Königin Victoria: John Brown, Film Her Majesty, Mrs Brown mit Judi Dench und Billy Connolly. Königreich England, Königreich Schottland, Königreich Großbritannien, Act of Union 1707, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland. God Save the Queen / King.

VB063 QI & VB052 Winston Churchill: QI-Folge J04 – Jack and JillJames I. & VI., Elizabeth I., Elizabeth II., Queen Elizabeth 2.

VB064 Scotland Yard: Home Office Large Major Enquiry System (HOLMES 2), Elementary, Fernsehserie Ripper Street.

Am Ende wird noch einmal kurz Svens Patreon-Seite erwähnt sowie andere Mittel und Wege, Lob und Kritik für Viva Britannia los zu werden.

VB065 Malerei

Vom Mittelalter bis zu den Romantikern

Mehr als nur William Turner: Höhepunkte der britischen Malerei bis 1850. Von Bilderstürmern, Krankenhauskunst und Pferdeporträts. Wo des Königs liebster Maler nicht Hofmaler wird, englische Adelige auf große Kultour gehen und die Franzosen den Wert eines Heuwagens erkennen. Wie der Urvater der Comics das Urheberrecht verbesserte und was Hannibal Lecter mit den Doors verbindet.

Eine Sendung über die Malerei im Vereinigten Königreich. Von religiösen Werken aus dem Mittelalter ist nach dem Bildersturm der protestantischen Reformation nicht mehr viel erhalten, nur vereinzelt Buchmalerei wie in der Winchester Bible oder Tafelbilder wie das Westminster Retable. Danach beherrschten zunächst Maler vom Kontinent die Szene, wie Hans Holbein der Jüngere als Hofmaler von Heinrich VIII. oder Peter Paul Rubens, der von Kunstsammler Charles I. (enthauptet 1649 nach dem Englischen Bürgerkrieg) als erster Maler zum Ritter geschlagen wurde. Die jungen reichen Briten gingen als Teil ihrer kulturellen Ausbildung lange Zeit auf die grand tour durch Europa.

Im Barock malte James Thornhill einen Speisesaal des von Königin Mary II. initiierten und Christopher Wren entworfenen Greenwich Hospital (siehe Folge 51) aus, der seitdem nur als Painted Hall bekannt ist. Daneben war er an der Innenausstattung der St. Pauls Cathedral und diverser Privatresidenzen beteiligt.

William Hogarth war Thornhills Schüler und Schwiegersohn. Er ist für satirische Kupferstiche bekannt wie seine modern moral subjectsdie Marriage a-la-mode oder Beer Street und Gin Lane, die vermutlich im Auftrag von Henry Fielding (siehe Folge 64) entstanden sind. Als Pionier der westlichen “sequentiellen Kunst” gilt Hogarth als einer der Väter des Comics. Außerdem ist er für das zweite Urheberrechtsgesetz der Geschichte verantwortlich, den Engraver’s Copyright Act 1734, der das Statute of Anne  1709 von Büchern auch auf Kupferstiche ausweitet.

Der Porträtist Thomas Gainsborough arbeitete vor allem im Städtchen Bath. Sein bekanntestes Bild ist The Blue Boy (Der Knabe in Blau), das Johnathan Buttall in einem blauen Kostüm des 17. Jahrhunderts zeigt, so wie Gainsboroughs großes Vorbild Anthonis van Dyck 100 Jahre zuvor einen Jungen in Rot gemalt hatte. Das Gemälde ist heute im Nachlass von Henry E. Huntington bei Los Angeles zu besichtigen. Später porträtierte Gainsborough auch George III. und dessen Gattin Charlotte, zum Hofmaler wurde er aber nicht ernannt.

Die Ehre der Ernennung zum Hofmaler ging an Gainsboroughs Rivalen Joshua Reynolds. Beide waren frühe Mitglieder der Royal Society of Arts und Begründer der Royal Academy of Arts. Reynolds wurde für die Übertragung des grand style aus der Historienmalerei in die Porträtmalerei bekannt.

George Stubbs war der Sohn eines Gerbers und interessierte sich für Malerei und Anatomie gleichermaßen. 1766 veröffentlichte er The Anatomy of the HorseNebenbei malte er zahlreiche Tierporträts, vor allem von Pferden, aber auch die erste Darstellung eines Kängurus und eines Dingos.

Der bedeutendste deutsche Maler der Romantik war Caspar David Friedrich. Bei den britischen Landschaftsmalern war dies zum einen John Constable, der vor allem Landschaften in Sussex und Essex verewigte und sich sehr für Meteorologie interessierte. Sein bekanntestes Werk ist The Hay Wain (Der Heukarren), der dank Théodore Géricault beim Pariser Salon ausgestellt wurde, worüber Constable in Frankreich deutlich bekannter wurde als in England. Er beeinflusste auch Auguste Delacroix, die Schule von Barbizon und die späteren Impressionisten. Heute hängt “Der Heukarren” in der National Gallery und die dazugehörige Ölskizze im Victoria and Albert Museum (siehe Folge 62). Laut BBC-Umfrage von 2005 ist es das zweitbeliebteste Gemälde der Insel.

Das beliebteste Gemälde der Insel laut der gleichen Umfrage ist The Fighting Temeraire (Die letzte Fahrt der Temeraire) von Joseph Mallord William Turner. Es zeigt die aus der Schlacht von Trafalgar bekannte HMS Temeraire auf der letzten Fahrt vor dem Abwracken. Es ist Turners spätes Lieblingsgemälde. Sein erstes ausgestelltes Ölgemälde war Fishermen at Sea (Fischer auf See). Privat lebte Turner die letzten 18 Jahre seines Lebens bei seiner Geliebten Sophia Booth. Nach seinem Tod wurde er in der St. Pauls Cathedral direkt neben Joshua Reynolds beigesetzt. Alle seine unverkauften Werke vermachte er dem britischen Volk. Die größte Sammlung von Turner gibt es in der Tate Gallery. Die Temeraire hängt wie Constables “Heukarren” in der National Gallery. Um den älteren William Turner geht es auch in dem Film Mr. Turner von Mike Leigh von 2014, mit Timothy Spall in der Hauptrolle.

Der letzte Romantiker dieser Folge ist der Mystiker William Blake. Seine dichterischen und malerischen Visionen stießen bei Okkultisten wie Aleister Crowley (siehe Folge 57) auf Interesse, besonders aber auch in der Gegenkultur der 1950er und 1960er. Anleihen findet man z.B. bei Bob Dylan, Allen Ginsberg, Van Morrison, U2 und Tangerine Dream. Aldous Huxley benannte das Buch The Doors of Perception (1954) über seine Drogenerfahrungen mit Meskalin nach einem Zitat von Blake, und von da übernahm Jim Morrison den Namen wiederum für seine Band The DoorsDas Blake-Gemälde The Great Red Dragon and the Woman Clothed In Sun (Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau) zur Offenbarung des Johannes spielt eine tragende Rolle im Hannibal-Lecter-Roman “Roter Drache” von Thomas Harris und damit auch in zwei Filmen und der aktuellen dritten Staffel der Fernsehserie Hannibal.

Um britische Maler nach 1850 – wie die Präraffaeliten, Francis Bacon, David Hockney und Damien Hirst – wird es in einer späteren Folge  gehen.

VB063 QI

Recht interessante Fakten

Von A bis bald M, und dabei nichts wie ein Fisch: Das wohl britischste Fernsehquiz mit cleveren Komikern und viel allgemeinem Unwissen, mit unbeantwortbaren Fragen und unerklärlichen Punkteständen. Wo Elfen das wissenschaftliche Herzstück sind, Douglas Adams und Mike Oldfield Gastauftritte haben, Barack Obama sich geschlagen geben muss, und zum Schluss kaum mehr etwas von schottischer Tradition übrig bleibt.

Es geht um die BBC-Fernsehsendung QI (quite interesting) – bereits einmal kurz erwähnt in Folge 19 – und ihre Ableger.

Erfunden wurde die Sendung von John Lloyd, Freund und Kollaborateur von Douglas Adams (siehe Folge 42) und wie der mit Verbindungen zu Monty Python (siehe Folge 43). Beteiligt an Doctor Snuggles, Per Anhalter durch die Galaxis, Der Sinn des Labenz, Der tiefere Sinn des Labenz und Erfinder von Not The Nine O’Clock News und Blackadder (beides mit Rowan Atkinson) sowie Spitting Image und Have I Got News For You (mit Ian Hislop, Paul Merton und in den ersten Jahren Angus Deayton).

QI sollte mal von Michael Palin moderiert werden, jetzt macht das Stephen Fry, mit Alan Davies als Dauerkandidat. Recherchiert wird die Sendung, wie auch der schwedische Ableger Intresseklubben und die BBC-Radiosendung The Museum of Curiosity von Quite Interesting Limited und den QI Elves / Elfen unter Leitung von John Mitchinson. Die dienstälteste Elfe ist Molly Oldfield, Tochter von Musiker Mike Oldfield, und Autorin von The Secret Museum, das dem Geheimen-Kabinett-Podcast vom Buddler nahekommt. Die vier Elfen Dan Schreiber, James Harkin, Andrew Hunter Murray und Anna Ptaszynski machen den wöchentlichen Podcast No Such Thing As A Fish, Live-Aufnahmen dazu gibt es sogar beim Edinburgh Festival Fringe (siehe Folge 3). Das QI-Team veröffentlicht auch jedes Jahr weitere Bücher mit Fakten, angefangen mit dem Bestseller The Book of General Ignorance. Natürlich gibt es mittlerweile auch QI-Apps für’s Smartphone und Tablet.

Bei vermischten Fakten im Verlaufe der Sendung werden auch noch erwähnt: Eskimos, Rikschas, Johanna von Orleans, Lenin, Atomphysik (und deswegen Methodisch Inkorrekt), Haggis, Whisky, Porridge, Schottenmuster (Tartans) und Schottenröcke (Kilts). John Keats wird ebenso zitiert wie Stephen Jay Gould.

Am Ende der Sendung gibt es noch einige Hinweise in eigener Sache zu YouTube, ADN, Podseed und Auphonic, aber die gibt es ja auch schon in einem Blog-Eintrag. Und ja, das 2. Viva-Britannia-Buch im jmb-Verlag kommt auch bald.

VB054 P. G. Wodehouse

Gentleman der Literatur

Keine Pflaume: Der britischste Autor, den niemand kennt. Hunderte humorvolle Romane, Geschichten und Bühnenstücke über die bessere englische Gesellschaft, geboren aus einer Jugend auf Landsitzen und im Internat. Von Erfolgen am Broadway und im West End, von Langeweile in Hollywood, gerechter Steuerflucht, luxuriöser Kriegsgefangenschaft, naiver Propaganda und jahrzehntelangem Lebensabend. Mit schweinezüchtenden Lords, blauäugigen Tunichtguten und cleveren Kammerdienern.

Es geht um Pelham “Plum” Grenville Wodehouse, vor allem auf Basis der tollen Biographie “P. G. Wodehouse: Gentleman der Literatur” von Martin Breit, dem Bruder von Hörer Sebastian Breit.

Zu seiner Jugend fallen die Stichworte Hongkong, die grüne Fries-Tür, sein Bruder und späterer Theosoph Armine Wodehouse, das Internat Dulwich College, die Grafschaften Surrey und Shropshire und seine Ausbildungsstelle HSBC.

Sein erster Roman war The Pothunters mit Schulgeschichten a la Burg Schreckenstein von Oliver Hassenkamp oder Harry Pottergewidmet drei Cousinen von Elizabeth Bowes-Lyon.

In den USA schrieb Wodehouse für Vanity Fair, heiratete Ethel Wodehouse, schrieb mit Something Fresh den ersten Roman der Blandings-Reihe um Lord Emsworth, die erste Kurzgeschichte um Reginald Jeeves und Bertie Wooster und eroberte dann mit Jerome Kern und Guy Bolton den Broadway in New York, zunächst mit dem Stück Oh Boy! Auch das Lied Bill im Musical Show Boat wurde von Wodehouse mitgeschrieben.

In England verdiente Wodehouse mit Beiträgen zum Magazin The Strand so viel wie Agatha Christie mit einem ganzen Roman. In Hollywood verdiente er noch mehr, aber er langweilte sich. Wegen Doppelbesteuerung ließ er sich schließlich im französischen Le Touquet nieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Wodehouse erst auf der belgischen Zitadelle von Huy interniert und dann im polnischen Lager Tost. Dank eines Artikels in der New York Times landete er bald im Hotel Adlon in Berlin, wo er für das Deutsche Reich fünf Radiosendungen machte, wofür er als Verräter gebrandmarkt wurde. Das Exil verbrachte er bei Anga von Bodenhausen in Degernshausen im Harz und in Paris.

Die BBC verbannte ihn erst, produzierte aber später u.a. den Film Heavy Weather mit Peter O’Toole. ITV verfilmte Jeeves & Wooster mit Hugh Laurie und Stephen Fry. Kurz vor seinem Tod wurde Wodehouse zusammen mit Charlie Chaplin zum Ritter geschlagen.

An früheren Viva-Britannia-Episoden werden erwähnt Folge 9 zum Feiern (wegen Hochzeiten), Folge 27 zu Sherlock Holmes (der zeitgleich im Strand-Magazin erschien), Folge 44 (wegen des Cricket-Teams von James Matthew Barrie), Folge 52 zu Winston Churchill und Folge 53 zur Sprache (wegen der Verwandtschaft von “wode” und “Wut”).

VB049 Essen 2

Mehr britisches Essen und vor allem Gebäck

Backe-backe-Kuchen. Gestärkt mit schottischen Eiern und einem reichhaltigen Frühstück geht es direkt zum Nachmittagstee. Wo das Krümelmonster grundlos nervös wird, über den großen Teich auch große kulinarische Sprachverwirrung herrscht, und selbst ein Back-Wettbewerb ein Quotenhit wird. Wenn vom deutschen Adel gerade mal ein Kuchen übrig bleibt und manchmal nichts über Kondensmilch geht. Wohl bekomms!

Im Nachgang zur kürzlichen London-Reise geht es erst um Scotch eggs (angeblich erfunden von Fortnum & Mason) und die English Breakfast Society (EBS). Über die Unterscheidung des afternoon tea vom high tea kommen wir dann auf Gebäck.

Wie in der Szene zwischen Krümelmonster und John Oliver deutlich wird, unterscheiden sich Amerikaner und Briten in der Verwendung der Wörter cookie, biscuit, cake und scone.

Britisches Gebäck pur gibt es in der BBC-Sendung The Great British Bake Off mit Mary Berry, Paul Hollywood, Mel Giedroyc und Sue Perkins – nicht zu vergleichen mit Das Große Backen auf Sat.1 mit Enie van de Meiklokjes.

Bei konkretem Backwerk geht es erst um die Bakewell Tart (vs. den Bakewell Pudding) samt Mandelcreme (frangipane). Zum Battenberg Cake geht es zwangsläufig um das Geschlecht der Battenbergs bzw. Mountbattens mit einem Rückgriff auf Folge 14 zum Königshaus. Den Abschluss macht der Banoffee Pie mit Toffee aus Kondensmilch.

VB044 Bits & Bobs 4

Was zu den bisherigen Folgen noch zu sagen ist

Hier wird fleißig ergänzt und gelegentlich korrigiert. Von cleveren Steckern und unsportlichen Schriftstellern, geraubten Raubvögeln und falscher Ausgewogenheit. Wo ein Museum Mauern gegen Studenten hochzieht, französische Mönche ihr Kloster kopieren, vermeintliche Ägypter medienwirksam heiraten und mörderische Leichenfledderer letztlich selbst gefleddert werden. Mit Kühen statt Schweinen, peinlichen Rechenfehlern und gelegentlicher Sprachverwirrung.

Diese Folge ist meinem Vater Bernd Rudloff gewidmet, der am 19.09.2014 überraschend verstarb.

Ergänzt und korrigiert wir hier jeweils zu den Themen der folgenden Episoden…

VB002 Wohnen / VB011 Bits & Bobs 1: Netzstecker-Design nach Things You May Not Know.

VB012 Sport: Rugby vs. Rugby, William Webb Ellis, Cricket, The Allahakhbarries, James Matthew Barrie (Peter Pan), Joseph Thomson, Rudyard Kipling, H. G. Wells, Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes, siehe Folge 27), P. G. Wodehouse,  G. K. Chesterton, “allahu akbar”Peter Pan’s First IX von Kevin TelferRufus the Hawk, Wimbledon.

VB030 Wales: Erik Wenk vom ElfenbeinbungalowMan, John Cale, Lou ReedThe Velvet Underground, Roald Dahl (Charlie und die Schokoladenfabrik, James und der Riesenpfirsich, Matilda – auch als Musical von Tim Minchin).

VB034 BCA vs. Singh: Simon Singh, BBC, false balance (falsche Ausgewogenheit), John OliverLast Week Tonight, “Gibt es Hüte?” (Ausschnitt aus Olivers Sendung).

VB003 Edinburgh / VB035 Edinburgh 2 / VB036 Interview: Spuk in Edinburgh: National Museums / Royal MuseumUniversity of Edinburgh, The Surgeons’ Hall, Robert Knox, William Burke, William Hare.*

VB037 Das Haus Hannover: Wilhelm / William IV., Adelheid von Sachsen-Meiningen, Adelaide vs. Adelaide.

VB038 Radio: BBC World Service.

VB039 Zur See: Kap Hoorn vs. Kap der Guten Hoffnung.

VB040 Bevölkerung: Pavee (Irish Travellers), Roma, Big Fat Gypsy Weddings, Channel 4.

VB041 Cornwall: Mont-Saint-Michel vs. St. Michael’s Mount, Benediktiner, Wilhelm / William I., Heinrich / Henry V., National Trust.

VB042 Douglas Adams / VB043 Monty Python: Kuh statt Schwein im Restaurant am Ende des Universums, Ken Welsh, Lachs im Zweifel, 45 statt 55 Jahre, The Meaning of Liff vs. The Meaning of Life.

Zum Schluss gibt es noch einen Hinweise auf das Viva-Britannia-Podcaster-Sandwich beim Hobbykoch-Podcast, Svens Podcaster-Portrait bei radiomono und den YouTube-Kanal Anglophenia von Siobhan Thompson.

*P.S.: Erst nach der Produktion dieser Folge habe ich die Episode Die Mörderpuppen von Edinburgh des tollen Podcasts Das geheime Kabinett gehört. Darin empfiehlt Mirko “Der Buddler” Gutjahr nicht nur Viva Britannia, sondern behandelt auch eine archäologische Kuriosität, die eventuell im Zusammenhang mit Burke & Hare steht. Hörempfehlung!

VB043 Monty Python

Die Hohepriester des britischen Humors

Knick-knack, zwinker-zwinker, das sagt mir alles: Das surreale Vermächtnis von fünf britischen Elite-Studenten und einem amerikanischen Studienabbrecher. Über künstlerische Freiheiten, wechselnde Kooperationen und effiziente Kulturbildung. Wie Pink Floyd dazu beitrug, dass König Artus einen Alkoholiker läuterte, was die Beatles mit der Bergpredigt zu tun haben, wie Alfred Biolek den Mythos der deutschen Humorlosigkeit zerstörte, und warum wir dank Monty Python immer wieder Dosenfleisch im Briefkasten haben. Und Finger weg von der Lachsschaumspeise!

In einer Sendung über die britische Komiker-Gruppe Monty Python geht es natürlich vor allem um deren Mitglieder Terry Jones, Michael Palin, Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle und Terry Gilliam.

Im Zusammenhang mit der Oxford Revue und den Cambridge Footlights fallen auch die Namen von Dudley Moore, Rowan Atkinson, Al Murray, Stewart Lee und Richard Herring sowie Douglas Adams und John Lloyd (siehe Folge 42), Stephen Fry, Hugh Laurie, David Mitchell, Robert Webb, Richard Ayoade, John Oliver, Salman Rushdie und Prinz Charles.

Zusammengefunden haben die sechs Pythons über die BBC (siehe Folge 16) und The Frost Report mit David Frost, und ihre gemeinsame Fernsehsendung war Monty Python’s Flying Circus, von der es dank Alfred Biolek auch zwei deutsche Folgen unter dem Titel Monty Pythons Fliegender Zirkus gibt.

Bei den Filmen lassen wir And Now for Something Completely Different (dt. Monty Pythons Wunderbare Welt der Schwerkraft) links liegen und widmen uns ganz Monty Python and the Holy Grail (dt. Die Ritter der Kokosnuss) – finanziert von Pink Floyd, Led Zeppelin und Jethro Tull -, Life of Brian (dt. Das Leben des Brian) – produziert von George Harrison -, und The Meaning of Life (dt. Der Sinn des Lebens).

An weiteren Projekten werden erwähnt die Musicals Spamalot und Not the MessiahA Fish Called Wanda (mit Kevin Kline), Fawlty TowersTime Bandits12 Monkeys (mit Bruce Willis und Brad Pitt), The Fisher King (mit Jeff Bridges und Robin Williams) und The Zero Theorem (mit Christoph Waltz).

Neben dem tragischen 20jährigen Jubiläum mit Steve Martin und der Trauerfeier für Graham Chapman (hier ein YouTube-Video) geht es natürlich auch um die Abschiedsshow Monty Python Live (Mostly), die dieses Jahr in der Londoner O2-Arena aufgeführt wurde. Gäste waren hierbei unter anderem Stephen Fry, Simon Pegg, Eddie Izzard, Mike Myers sowie die Physiker Brian Cox und Stephen Hawking.

Der pythoneske Stil zeichnet sich durch Absurditäten, oft fehlende Pointen und den Bewusstseinsstrom aus, in dem einzelne Szenen in einander übergehen. Ihre Arbeit verkörpert das Wesentliche britischen Humors (siehe Folge 19). Außerdem verdanken wir Monty Python das Wort Spam für E-Mail-Müll.

Wer mehr über Monty Python hören möchte und etwa vier Stunden Zeit mitbringt, dem sei Folge 3 des Heißluftdampfers empfohlen, in dem Kapitän Olli und Kapitän Jörg von ihrer jahrzehntelangen Leidenschaft und ihrem Show-Besuch in London berichten.

VB042 Douglas Adams

Der Mann, der die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest beantwortete

Keine Panik! Eine Folge über den schreibfaulen Riesen, der uns depressive Roboter, holistische Detektive und seltsame Ortsnamen nahe brachte. Über Trunkenheit in Innsbruck, weiße, schwarze und falsche Nashörner, einen bombigen John Cleese und Feen im Garten. Was Richard Dawkins mit Doctor Who verbindet, wo Stephen Fry nur Zweiter wurde, und warum Terry Jones das Buch zu einem Computerspiel schrieb.

Im Zusammenhang mit dem britischen Autor Douglas Adams geht es natürlich recht ausführlich um die “Science-Fiction-Trilogie in fünf Bänden” Per Anhalter durch die Galaxis (The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy). Die Idee dazu hatte Adams auf einem Feld bei Innsbruck dank Ken Welshs Hitch-hiker’s Guide to Europe, und die Geschichte beinhaltet Charaktere wie Arthur Dent, Ford Prefect, den depressiven Androiden Marvin und Wowbagger den Unendlich Verlängerten. Es geht um 42, die Antwort auf die (unbekannte) Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, den Computer Deep Thought, der die Antwort berechnete, Lewis Carroll, der sie bereits literarisch verewigte, und die Erde, die die Frage berechnen sollte, bevor sie von den Vogonen von einer Hyperraumumgehungsstraße gesprengt wurde.

Erst war der Anhalter eine BBC-Hörspielreihe (zum Radio siehe Folge 38) unter Mitarbeit von Simon Brett und John Lloyd, später dann u.a. eine BBC-Fernseh-Miniserie (zum Fernsehen siehe Folge 16), die in Deutsch beim Süddeutschen Rundfunk lief, ein Computerspiel von Infocom und ein Hollywood-Film. Über den sechsten Band von Eoin Colfer verlieren wir nicht viele Worte.

Bei Adams Biographie kommen wir häufiger auf Monty Python (siehe generell auch Folge 19 zum britischen Humor), Monty Python’s Flying Circus, Graham Chapman, John Cleese und Terry Jones, aber auch auf Doctor Who (siehe Folge 21)

Ein weiteres Projekt von Adams und Lloyd war das Wörterbuch The Meaning of Liff, für das Deutsche bearbeitet von Sven Böttcher zu Der Sinn des Labenz. Hierin finden sich so schöne Worte wie “stulln” für das Gefühl, nicht mehr durstig zu sein, abgeleitet von Stulln.

Zum Tierschutz geht es um die Organisation Save the Rhino, die alljährliche Douglas Adams Memorial Lecture sowie die Serie und das Buch Die Letzten ihrer Art (Last chance to see), von Adams und Mark Cawardine. Die Nachfolgeserie realisierte Cawardine mit Stephen Fry. Dabei (be)suchen sie bedrohte Tierarten wie Komodowarane, Berggorillas, weiße Nashörner und Flussdelphine.

Beim Thema Computer (siehe auch Folge 22) wird nicht nur Stephen Fry wieder erwähnt, sondern auch der Apple Macintosh, das Usenet, das Computerspiel und Buch Starship Titanic, und Adams’ BBC-Dokumentation zu Hypertext.

Schließlich kommt die Sprache noch auf Dirk Gentlys Holistische Detektei und die kurzlebige Fernsehserie mit Stephen Mangan, auf den Towel Day am 25. Mai, das posthume Werk Lachs im Zweifel (The Salmon of Doubt) sowie auf Richard Dawkins, seine Frau Lalla Ward und die Widmung in Dawkins’ Der Gotteswahn (The God Delusion).

Für O-Töne zu Adams sei dem geneigten Hörer  noch die Sonderausgabe des Podcasts The Pod Delusion zu Adams’ zehnjährigem Todestag empfohlen.